Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die angedrohte Serie „Die Ringe der Macht“ und die Olympischen Spiele haben eine Gemeinsamkeit. Bei beiden wir einem beim zuschauen schlecht.

Olympia und die Ringe

Wer Tolkien und die Olympischen Spiele kennt, weiß, wie falsch der Autor lag. Es ist nicht ein Ring, sie alle zu binden. Sondern es sind fünf. Das mit dem Knechten läuft auch irgendwie anders ab. Stellen wir uns vor, in Mordor würden sportliche Wettkämpfe für ganz Mittelerde ausgetragen. Bevor die Athleten kommen, verpasst man sich einen neuen Anstrich und sorgt dafür, dass alle kritischen Bereiche für die Besucher von außerhalb gesperrt bleiben.

Natürlich gibt sich Sauron als freundliche Person. Nein, ich glaube, das Bild hinkt etwas. Zumindest in der Verfilmung von Peter Jackson wirkten die Orks nicht so, als würden sie unterdrückt, so wie Millionen von Chinesen.

Persönlich halte ich nicht nur das Land, in dem die Winterspiele stattfinden, für eine falsche Wahl. Sondern auch eine ganze Menge mehr. Ein russisches Mädchen wird mit einem Herzmedikament gedopt und man lässt es einfach so durchgehen? Was im Falle von Kamila Walijewa passiert, lässt sich durchaus als Kindesmissbrauch bezeichnen. Möglicherweise wird der Fall auch mit Milde beurteilt, weil Russland außerhalb des Sports gerade große Geschütze auffährt — oder fahren könnte.

Auf den Punkt gebracht haben die Olympischen Spiele für mich mit Sport genauso wenig zu tun wie die für den Herbst angekündigte Serie „Die Ringe der Macht“ mit den Werken von J. R. R. Tolkien.

Prime und die Ringe der Macht

„Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“ — das könnte auch das von Jeff Bezos gewählte Motto für Amazon sein. Das mit der angestrebten Weltherrschaft gilt schließlich sowohl für Sauron als auch Bezos. Wobei sich Bezos deutlich geschickter anstellt. Statt Ringe gibt es immer neue Angebote, mit denen Kunden gefesselt werden sollen. So wird etwa auch das Serienangebot bei Amazon Prime kontinuierlich auch mit eigenen Produktionen erweitert.

Eine davon, die besagten Ringe der Macht, soll im Herbst dieses Jahres auf die heimischen Fernseher kommen. Den Trailer kann man sich jetzt schon dazu anschauen, wenn man mutig genug ist. Klar kann man darüber diskutieren, ob und in welchem Umfang CGI-Effekte verwendet wurden. Im Kern sollte man sich aber mal darüber unterhalten, was für ein Eindruck entsteht. Es ist der Griff in die Kiste der Beliebigkeit. Figuren, die durch ihre Darsteller so unglaublich beliebig und auswechselbar wirken.

Vor allem aber muss man sich an den Kopf fassen vor lauter falsch verstandener Diversität. Auf mich wirkt der Trailer wie der Versuch, Menschen anzusprechen, die ehedem nicht dir Romane von Tolkien gelesen haben. Der Warnhinweis „frei nach Tolkien“ wäre dann aber angebracht.

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