Die Wahrheit blieb auf der Strecke

Die Wahrheit blieb auf der Strecke

Obwohl mir eigentlich danach wäre, verkneife ich mir Vergleiche der GDL mit etwas anderem an dieser Stelle. Einfach weil es unangemessen wäre. Man will schließlich auch die Kirche im Dorf lassen. Was eigentlich besonders leicht fallen sollte, denn die Kirche (zumindest das Gebäude) fährt nicht mit der Bahn — im Gegensatz zu zahlreichen Pendlern tägliche. Und diese Pendler werden erneut von einem Streik bedroht. Diesmal, so ist zu hören, plant die GDL sogar für ganze 100 Stunden den Ausstand.

So was muss man als Pendler erstmal mit seinem Arbeitgeber klären. Es geht beim Streik der GDL nämlich nicht nur um Geld der Bahn, sondern auch um mögliche Verdienstausfälle von Arbeitnehmern, die auf den Zug als Mittel um zum Arbeitsplatz zu kommen, angewiesen sind. Mehrkosten die durch Leihwagen oder ähnliches entstehen, trägt hier keine Streikkasse.

Pendlern dürfte es auch mittlerweile ziemlich egal sein, wer jetzt im Recht. Für Außenstehende wirken sowohl Bahn als auch GDL wie Kleinkinder, die sich im Sandkasten um die Förmchen streiten. Undurchsichtig bleibt, wer denn nun die Wahrheit sagt. Meiner Meinung nach ist die Wahrheit längst auf der Strecke geblieben. Als Zeitungsleser sitzt man nie unmittelbar mit am Verhandlungstisch und kennt alle Fakten. Mit gefilterten Informationen versorgt fällt es schwer, sich ein Urteil zu bilden und so entscheidet man nach Bauchgefühl.

Diese Bauchgefühl dürfte mittlerweile bei der Nennung von „Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer“ von einem laut hörbaren Grummeln begleitet werden. Den GDL-Chef Claus Weselsky kenne ich persönlich nicht, wohl aber den Personalvorstand Ulrich Weber. Dieser hat früher für die RAG gearbeitet, die wiederum ein Tocherunternehmen mit dem Namen RAG Bildung hatte — mein früher Arbeitgeber. Meinem Eindruck nach ist Herr Weber niemand, der einen über den Tisch zieht. Ich kann mir vorstellen, dass er ernsthaft an einer Einigung interessiert ist.

Die durch ihn vertretenen Position der Bahn, letztendlich gleiches Geld für gleiche Arbeit zu bezahlen, finde ich berechtigt und vor allem ziemlich sympathisch. Es kann doch wohl kaum angehen, dass ein Zugbegleiter weniger in der Lohntüte hat, weil er in der „falschen“ (EVG statt GDL) Gewerkschaft ist.

Aber wiederum: Es ist so eine Sache mit der Wahrheit. Was weiss ich schon davon. Vielleicht geht es bei den Verhandlungen um was ganz anderes. Um persönliche Befindlichkeiten, Macht, Einfluss. Stoff auf jeden Fall für einen Fernsehfilm.

Mittlerweile bin ich es leid, von der GDL etwas im Zusammenhang mit Streik oder Androhungen von Streiks zu lesen. Die Süddeutsche Zeitung titelte heute „Die Lokführer sind zunehmend isoliert“. Fast richtig, denn es sind ja nicht die Lokführer selber, sondern die GDL, die zunehmend isoliert ist.

3 Replies to “Die Wahrheit blieb auf der Strecke”

  1. Ich bin weiterhin voll und ganz auf der Seite der GDL und doch, es ist durchaus möglich, dass es für denselben Beruf unterschiedliche Bezahlung gibt, wer das nicht will, kann ja notfalls die Gewerkschaft wechseln. Außerdem, schaue dir doch einfach mal den Unterschied zwischen Lehrern an, die verbeamtet sind und die, die nach Tarifvertrag bezahlt werden, auch da gibt es einen großen Unterschied in der Lohntüte, obwohl die Lehrer dieselbe Arbeit leisten.

    Die Bahn würde nicht so auf Zeit spielen, wenn es unter den Arbeitern eine größere Solidarität gäbe. Dann könnte die Bahn nämlich nicht einplanen, dass die Gewerkschaft immer unbeliebter wird und sie, wie sagst du so schön, isoliert wird. Es gibt nun einmal die Pluralität der Tarifverträge, damit muss sich die Deutsche Bahn anfreunden, ob sie es nun will oder nicht.

  2. Ja, ja, ja, immer diese penetrante, den Pendler und insg. die arbeitenden Menschen störenden Maßnahmen wildgewordener Alphatierchen …!
    Aber MEIN BAUCHGEFÜHL tröstet mich und verrät – natürlich ohne jeden Schimmer von wirklicher Einsicht, weil: als Zeitungsleser usw. usw. …. -, es gibt tatsächlich eine sympathische Option,
    siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Gelbe_Gewerkschaft
    Da könnte man doch den Bären waschen, ohne sein Fell nass zu machen, gell?!
    Schönen Tag noch.
    Henning.

    P.S.: Da fallen mir doch noch ein: FDGB und NSBO – aber am besten wird sein, die Arbeitswelt gewerkschaftsfrei zu machen, auf dass sich die Pendler und Pendlerinnen nicht aufregen müssen. Selige Situation in den us-amerikanischen Südstaaten und in Nordkorea und Saudi-Arabien. (Es funktioniert also, bei ein bisschen gutem Willen, Mensch und Pendler!)

  3. Ich würde mich einfach freuen, wenn von weiteren Streiks abgesehen würde und man sich doch irgendwie einigen könnte. Ich will gar nicht wissen, was jeder Streiktag unser Land kostet…

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren