Stromkonzerne neu denken

Eigentlich haben Stromkonzerne so gut wie gar nichts mit Fernsehserien zu tun. Zumindest mir ist keine Serie bekannt, wo sie eine ragende Rolle spielen. Dennoch beschäftigt mich aktuell beides.

Fernsehfasten

Ursache dafür ist ein moderates Fernsehfasten, welches meine Frau und ich gerade durchziehen. Das machen wir nicht um unseren Energieverbrauch zu senken. Wir wollen damit also nicht den Stromkonzernen ihren Umsatz verderben. Zumal wir hier in Köln ehedem bei RheinEnergie sind. Strom aus städtische Hand, das ist so eine Marotte von mir.
Nein, das Fernsehfasten hat andere Gründe.

Stromkonzerne und Atomkraft
526663 / Pixabay

Zwischen zwei Staffeln

Wir befinden uns so zusagen zwischen zwei Staffeln, zwischen der ersten und zweiten von Helix. Die Folge eins der zweiten Stafel haben bereits gesehen und waren verwirrt. Während die erste Staffel von Helix noch wie eine Art Resident Evil wirkte, scheint es in der zweiten Staffel Richtung Silent Hill zu gehen. Kann man so machen, ist aber für unsere Nerven weniger tauglich. Zur Erinnerung: meine Frau und ich steigen auch bei Filmen wie Event Horizon aus. Zusätzlich verwirren uns die Zeitsprünge bei Helix.

Grüße aus der Wissenschaft

Was anfing wie eine Serie für angehende Biologen und einen fundierten Eindruck laut meiner Frau machte, schweift ins esoterische ab. Kurzum, wir wissen derzeit nicht, ob wir die Serie zu Ende sehen sollen oder nicht. Für letzteres spricht so einiges. Was anders wollen wir zur Ablenkung auch nicht ansehen, denn einen Stapel unvollendeter Serien macht mich nervös.

Alternative Abendgestaltung

So langsam aber sicher steuern wir auf die Stromkonzerne zu, die beschäftigen uns tatsächlich seit zwei Abenden. Statt vor dem Fernseher zu hocken sind wir nämlich zu einer naheliegender Alternativen Abendgestaltung übergegangen. Auch für die anstrengenden Tage unter der Woche gibt es geeignete Brettspiele. Welche mit auf den ersten Blick einfachen Regeln und welche, die man schon zu beherrschen glaubt. Das Spielen ist das fast wie Fernsehe gucken.

Stromkonzerne in Funkenschlag

Für uns zählt Funkenschlag von Friedmann Friese zur Kategorie der unterschätzen Spiele. Tatsächlich stellt die Expansion der Stromkonzerne, vertreten durch die Spieler, einen spannenden Wettlauf dar. Anders als so einige Nebeneinander-Spiele ist Funkenschlag ziemlich interaktiv. Die Frage, wer wann welches Kraftwerk zu welchem Preis ersteigert wirkt sich auf die Spieler ebenso aus wie der Kauf von Energieträgern oder der Anschluss von Städten.

Ohne Glücksfaktor

Glück spielt in Funkenschlag keine Rolle. Zwar werden die zum Verkauf angebotenen Kraftwerke zufällig gezogen, diese lassen sich jedoch von allen Spielern theoretisch erwerben. Hier kommt es lediglich auf das eigene Geschick an, wann man mitbietet und wofür man sein erwirtschaftetes Kapital einsetzt. Ein zentrales Element des Spiels ist der Markt für Energieträger und die Preisentwicklung auf ihm.

Vorteil Windkraft

Am Anfang ist noch von allem reichlich da, im zunehmenden Spielverlauf wird einige Energieträger ziemlich knapp, was auch strategische Möglichkeiten zum Ausbremsen der Mitspieler bietet. Am Ende gewinnt nämlich der, der am meisten Städte versorgen kann. So ist es möglich, dass ein Spieler, welches das Spielende auslöst, doch noch verliert.
Besonderen Vorteil im Spiel hat man, wenn der eigene Konzern Windräder oder das begehrte Wasserkraftwerk besitzt. Damit ist man völlig unabhängig vom Markt der Energieträger.

Knappe Siege

So wie sich die Stromkonzerne auf dem Markt positionieren, beziehungsweise so wie die Spieler ihre Strategie verfolgen, so entwickelt sich auch das Spiel. Dabei haben zumindest meine Frau und ich den Eindruck, dass es bis zum Ende spannend bleibt. Wer gut spielt, lässt sich sogar absichtlich zurück fallen und holt erst in der letzten Runde zum finalen Schlag aus.

Bezug zur Realität

Stromkonzerne neu denken, das ist der Titel dieses Artikels. Für mich ist Funkenschlag weit aus mehr als nur ein Spiel. Es lädt ohne pädagogischen Fingerzeig dazu ein, über die Stromerzeugung nachzudenken. Sicher, vielleicht begeistert mich das Spiel, weil ich SoWi-LK in der Oberstufe hatte. Und vielleicht bin ich für die Thematik auch empfänglich, weil wir uns damals bei den Jusos zum ersten Mal mit regenerativer Stromerzeugung beschäftigten. Wie dem auch sei, Funkenschlag ist eine erstaunliche Simulation.

Günstiger Atomstrom

Da die Entsorgung ausgebrannter Uranstäbe und die so genannten Ewigkeitskosten keine Rolle im Spiel spielen, wird man früher oder später ein Atomkraftwerk bauen. Einfach deshalb, weil Uran so verdammt günstig ist. Ein opportunistische Haltung, denkt man doch ausschließlich an die eigene Gewinnmaximierung. Genau das aber zeigt deutlich, worum es im wirklichen Leben geht. erst die Verknappung sorgt für ein Umdenken und den Umschwung auf regenerative Formen der Stromerzeugung.

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