Der erste Schein trügt

In mehrere Gruppen eingeteilt, gehöre ich zu den Menschen, die sich gerne positiv überraschen lassen. Das gelingt natürlich besonders gut, wenn man eine eher pessimistische Grundhaltung einnimmt. Aus meine bisherigen Erfahrungen heraus liege ich damit goldrichtig. Wenn ich optimistisch eingestimmt bin, dann meistens darum, weil es sich nicht um das erste Mal handelt. Daher freute ich mich auch auf den Besuch im Restaurant Colina gestern Abend.

Zum ersten Mal waren meine Frau und ich dort am 28. November. Ein eher spontaner Besuch, als Belohnung auch für mich, der es endlich geschaffte hatte, einen Zahnarzttermin hinter sich zu bringen. Spontane Restaurantbesuche sind so eine Sache für sich, gerade in Köln, besonders in der Weihnachtszeit und ganz speziell, wenn dem jeweiligen Restaurant ein gewisser Ruf vorauseilt. Um so glücklicher waren wir, als wir doch noch einen Tisch für zwei Personen bekamen. Zwar auf Barhockern, ab ansonsten ganz gemütlich. Essen und Service waren klasse, auch wenn ich persönlich San Miguel vom Fass deutlich schmackhafter finde als aus der Flasche. Dafür ersetzten der Mojito den Nachtisch und wurde zu einem krönenden Abschluss des Abends. Und hat das alles so gut gefallen, dass wir spontan für den 19. Dezember einen Tisch reservierten, was wie man uns sagte, gar kein Problem sei.

Auf den Abend gestern und das Essen im Colina hatte ich mich wirklich gefreut. Was meine Frau und ich jedoch dann erlebten, war der absolute Tiefpunkt unserer bisherigen Restaurant-Besuche in Köln. Als im Colina eintrafen, erweckte es bereits im Eingangsbereich den Anschein einer geschlossenen Gesellschaft. Ein E-Piano stand aufgebaut da, die Luft war stickig und der gesamte rechte, große Bereich im Restaurant war abgesperrt. Ich nannte einem vom Personal (oder war es der Besitzer?) meinen Namen und den Umstand, dass wir reserviert hatten. Die Mühe, das zu überprüfen, machte man sich gar nicht. Man führte uns im linken Bereich des Restaurants zu einem Tisch, an dem sich kein Reservierungsschild befand — man habe bei so vielen Reservierung nicht genügend Schilder, hieß es auf meine erstaunte Rückfrage. Der Tisch selber befand sich direkt am Durchgang zur Küche.

Entweder hätte meine Frau oder ich so gesessen, dass ständig jemand in unserem Rücken hin und her gelaufen wäre. Zudem zogen Lärm und Gerüche aus der Küche herüber. Einen anderen Tisch wollte man uns nicht geben. Man sei schließlich bereits seit Monaten ausgebucht. Das ich auch reserviert hatte, schien egal zu sein. Was mich besonders auf die Palme brachte war der Versuch, diesen wirklich miserablen Platz auch noch schön zu reden und mir das Gefühl zu geben, ich solle mich nicht so anstellen — schließlich hätte ich froh zu sein, überhaupt einen Platz bekommen zu haben.

Als Gast dritter Klasse lasse ich mich ungern behandeln und so zog ich in Abstimmung mit meiner Frau die einzig sinnvolle Konsequenz. Mit entsprechendem Hinweis, dass ich mit dem Tisch in keinster Weise einverstanden sei und wir das angesichts der Umstände einfach lassen würden, verließen wir das Colina. Wir haben dann eingekauft und zu Hause selber gekocht. Lamm orientalisch. War auch lecker.

Liebes Colina, wenn euch ein Gast bei seinem ersten Besuch, bei dem die Rechnung über 100 Euro betrug auch noch ein ordentliches Trinkgeld gegeben hat und dann auch noch eine Reservierung vornimmt, sollte man sich beim zweiten Besuch etwas entgegenkommender verhalten. Nicht das ich erwartet hätte, mit Handschlag begrüßt zu werden, aber wenn ich essen gehe, erwarte ich Service. Insbesondere dann, wenn ich rund 100 Euro ausgeben werde. Ansonsten kann ich auch in eine Imbissbude gehen. Da werde ich auch satt und bekomme genau das, was zu erwarten ist.

Wäre ich gestern der Kellner gewesen, ich hätte den Gast anders behandelt. Mich für die unglückliche Reservierung entschuldigt, einen anderen Termin vorgeschlagen und ihn dann auf Kosten des Hauses zu einem Mojito eingeladen. Damit wäre ich mir als Kellner sicher gewesen, den Gast gewonnen zu haben. Anscheinend hat das Colina so was nicht nötig. Sei es drum. Wir werden dort keine Gäste mehr sein — man wollte uns ja auch nicht. Ein Restaurant in Bielefeld könnte sich so was leisten, weil das Angebot dort entsprechend kleiner ist. In Köln aber gibt es mehr als ausreichend Alternativen.

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