Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Apple plant die Verfilmung des Science-Fiction-Romans Neuromancer. Das klingt ein wenig nach Satire.

Cyberpunk als Gegenbewegung

Ein Mega-Konzern wie Apple, der sich zum Teil seine eigenen Regeln macht, plant für seinen Streamingsender Neuromancer zu verfilmen. Um die Ironie dahinter zu verstehen, muss man sich vor Augen halte, worum es in Neuromancer eigentlich geht — und warum der Roman eigentlich keine Science Fiction ist.

Aber der Reihe nach. Die deutsche Ausgabe von Neuromancer erschien 1987. Ich selber kam mit dem Roman 1988 in der Oberstufe ein Kontakt. Damlas las ich noch immer gerne Science-Fiction-Romane, aber Neuromancer war anders. Ein dystopischer Roman, das Genre Cyberpunk einleiten sollte. Eine ziemlich gute Einführung in das Genre, seine Entstehung und auch eine Zusammenfassung des Romaninhaltes findet sich in dem englischen YouTube Video „The Origin of Cyberpunk“ von Quinn’s Ideas.

Mich begeisterte das dystopische Setting von Anfang an. Zudem wirke es auf mich, einem bereits langjährigen Leser von Science Fiction Literatur, frisch und neu. Das allerwichtigste aber: Neuromancer passte zu meiner Vorstellung von einer nahen Zukunft, in der alle Macht in den Händen der Konzerne liegt. Gibson verpackte in seinen Roman eine Menge Kapitalismuskritik.

Konzerne in der Welt von Neuromancer

An der Stelle wirkt es natürlich befremdlich, wenn ausgerechnet so ein Megakonzern Neuromancer verfilmt. Zumal Apple nicht irgendein Konzern ist, sondern ein Technologiekonzern, der mit seiner VR-Brille zuletzt etwas auf den Markt brachte, was ziemlich stark an die Welt von Neuromancer erinnert.

Wie dem auch sei, ich für meinen Teil bin mal gespannt auf die Verfilmung. So Apple etwa mit „Silo“ und „Foundation“ zwei hervorragende Serien gelungen. Die Wartezeit werde ich mir Netrunner vertreiben, einem asymmetrischen Kartenspiel für zwei Personen mit einem Cyberpunk-Setting.

Moment mal, Netrunner, darüber hatte ich doch zuletzt vor zwei Jahren etwas geschrieben. Damals entdeckte ich meine alten Karten der Ur-Version wieder. Aus dem Vorsatz, dass Spiel wieder auf den Tisch zu bringen, wurde dann nichts. Das lag nicht nur an der Menge an anderen Spielen, sondern auch daran, dass Netrunner sich in den vielen Jahren weiterentwickelt hatte.

Gut 16 Jahre nach dem Wizards of the Coast das Sammelkartenspiel veröffentlichte, erschien mit „Android Netrunner“ eine weiterentwickelte Version als sogenanntes Living Card Game bei Fantasy Flight Games — Fun Fact am Rande: Bei genauere Betrachtung könnte man „Dominion“ auch als LCG bezeichnen.

Netrunners Erbe

Zwei Jahre bevor ich meine alten Netrunner Karten in der Garage wiederentdeckte, stellte Fantasy Flight Games Android Netrunner ein. Das Grundspiel ist derzeit nur noch gebraucht zu Preis weit über dem damaligen Neupreis zu bekommen. An dieser Stelle kommt Null Signal Games ins Spiel. Eine gemeinnützige Organisation, die Netrunner am Leben halten und weiter entwickeln will.

Auf der Website von Null Signal Games kann man sich die derzeitige Versions des Grundspiels und sämtliche Erweiterungen sogar als Print and Play Version herunterladen. Genau das habe ich mit „System Gateway“ und „System Update 2021“ getan. Dazu habe ich mir dann noch die erforderlichen Tokens selber gebastelt und mit dem 3D-Drucker ausgedruckt.

Die ersten drei Partien am vergangenen Dienstag haben mir dann wieder vor Augen geführt, warum dieses Spiel ziemlich großartig ist.

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