Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Selbst im Zeitalter von wie Pilze aus dem Boden schießenden Streaming-Diensten sind richtig gute Serien selten. Zum Glück gibt es Slow Horses.

Bundes wer?

Bevor ich zum Serienhighlight Slow Horses bei Apple TV+ komme, ein paar Sätze zur Bundeswehr aus aktuellem Anlass.

Sich zwischen Zivildienst oder Wehrpflicht entscheiden zu müssen, diese Entscheidung wurden den Jahrgängen nach 2011 durch die Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht abgenommen. Wer danach seinen Weg zur Bundeswehr fand, tat das freiwillig.

Würde ich heute eine Entscheidung treffen müssen, würde mir das deutlich schwerer fallen als Anfang der 1990er-Jahre, als ich meine Verweigerung in Wesel am Auesee an einem warmen Sommertag als Entwurf zu Papier brachte. Die Bundeswehr hat sich weiterentwickelt, die weltpolitische Lage ist eine andere und wir stehen am Rand eines Kriegs und beobachten, wie die Menschen in der Ukraine vom russischen Aggressor ermordet werden.

Im Leben gibt es mitunter Wendepunkte. Über den eines jungen angehenden Rekruten schreibt heute die Süddeutsche Zeitung in der Reportage „Ja, ich will“. Ein Schlüsselerlebnis führte bei ihm dazu, sich doch für die Bundeswehr zu entscheiden. Es ist ein bewegender Bericht über einen Menschen, der sein Land und seine Familie künftig verteidigen möchte. Darüber zu sprechen ist wichtig, wegschauen und sich die Lage schönzureden einfach nur verkehrt. Wir leben nicht in einer idealen, friedlichen Welt.

Kommen wir aber nun zu den Slow Horses.

Sehenswerte Serie Slow Horses

Einen Platz für das festzulegen, was mir an Slow Horses am besten gefällt, ist verdammt schwer. Ist es Gary Oldman in der Rolle als Jackson Lamb, abgewrackten den Leiter des Slough House? Oder ist es der Titelsong „Strange Game“ von Mick Jagger? Möglicherweise ist mein Favorit das nächtliche London in Slow Horses — oder was ganz anderes. Die Serie besteht eigentlich nur aus Zutaten, die mir gut gefallen.

Der Plot ist flott erzählt. Ins sogenannte Slough House hat der MI5 seine in Misskredit geratenen Agenten abgeschoben. Dort fristet sie unter der Führung von Jackson Lamb ein klägliches Dasein. Alles abgeranzt und kaputt, selbst die Socken von Lamb.

Als ein pakistanischer Student von der rechtsradikalen Splittergruppe „Sons of Albion“ entführt wird, setzen die Slow Horses (Lahme Pferde), wie die Agenten im Slough House auch genannt werden, alles dran, den Jungen zu retten.

Die erste Folge trägt den Titel „Scheitern ist ansteckend“. Dabei scheitert Slow Horses nicht, sondern triumphiert auf ganzer Linie. Da sollte mal ansteckend sein für andere Serien. Noch eine gute Nachricht zum Schluss: Es wird eine zweite Staffel geben.

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