Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Mal eben mit einem Maskendeal richtig reich werden und Leute bescheissen. Wer hat nicht in den letzten zwei Jahren davon geträumt?

Krise ist geil

Mit einem Maskendeal richtig Asche machen, für viele von uns zählte das bis Ende vergangener Woche zum Privileg von Menschen aus dem Dunstkreis der CSU. Namen wie Georg Nüßlein und Alfred Sauter fallen einem da ein. Personen, die dank einer Lücke im Strafrecht vor Gericht auch noch mal davon gekommen sind. Die beiden sind aber nur die Spitze eines offensichtlichen Eisbergs und gehören nicht zu den Spitzenverdienern. Wie Waisenknaben wirken sie im Vergleich zu Andrea Tandler, die laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom Dezember 2021 48 Millionen Euro an Provision kassiert haben soll.

Bei so einem schlechten Maskendeal, schließlich sind 49 Millionen knapp unter der Armutsgrenze verglichen mit dem Vermögen von Elon Musk, kann man schon mal verstehen, dass es finanziell werden der Pandemie etwas eng wurde für Frau Tandler.

Absolut nachvollziehbar ist es daher, dass man daher 9.000 Euro an staatlicher Corona-Hilfe kassierte. Irgendwie muss man sich ja über Wasser halten und die Mitgliedschaft im Golfclub (oder was auch immer) ist schließlich nicht gratis.

Immerhin, die Corona-Hilfe wurde wohl zurückgezahlt, wenn auch mit „leichter“ Verzögerung. Reich werden mit einem Maskendeal, davon träumte aber auch andere, die nicht mit der CSU verbunden sind.

Böhmermann deckt Maskendeal auf

Kommen wir also zu einem ganz anderen Maskendeal. Kein im Schatten, verborgen vor der Öffentlichkeit eingefädeltes Geschäft. Im Gegenteil. Für die Beschaffung von fair produzierten Masken ließ sich Internet-Star (persönlich hab ich bis vergangenen Donnerstag noch nie etwas von ihm gehört…) Fynn Kliemann ordentlich von seinen Fans abfeiern. Sogar einen Nachhaltigkeitspreis hat er für sein angebliches soziales Engagement bekommen. Nun gut, behalten darf er diesen wohl nicht, denn die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis hat ihm diesen aufgrund des Berichts über den Maskendeal im Magazin Royal aberkannt.

Eine Ware öffentlich und wiederholt als fair in Portugal und Serbien produziert zu bezeichnen, tatsächlich aber das Produkt aus Bangladesh und Serbien zu kaufen und bewusst White Labeling zu betreiben — kommt nicht nur schlecht an, sondern ist auch noch strafbar.

Provision für Maskendeals zu beziehen ist eben etwas anders als Betrug. Möglicherweise ist der gute Mensch von Instagram tatsächlich keiner. Wenn man dann noch auf wurstelige Weise mit Spendengeldern umgeht, stehen trotz aller Soli-Bekundungen seiner Follower eine Reihe von Probleme ins Haus.

Gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger ließ Fynn Kliemann verlauten, er habe den Wertekompass verloren. Kann ja mal passieren, kennen wir schließlich alle. Wer von uns nicht mal 100.000 mangelhafte Corona-Masken an Flüchtlingen gegeben hat statt sie kostenpflichtig entsorgen zu müssen, werde den ersten Stein.

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