Von allen guten und bösen Geistern verlassen

In Krisenregionen wie Borkum ohne echte Buchhandlung ist ein eBook-Reader die letzte Hoffnung für Lesenachschub mitten im Urlaub.

Sonderlieferung Osterwetter

Gestern ging mein Osterurlaub zu Ende und damit auch die Osterkurzgeschichte „Elektrischer Osterhase“. Mangels Feedback kann ich natürlich nicht abschätzen, ob sie gut angekommen ist oder nicht. Ist auch egal, mir jedenfalls hat sie beim schreiben großen Spaß gemacht — was ja die Hauptsache ist. Die Tage auf Borkum haben sich auf jeden Fall gelohnt. Mein Kopf fühlt sich wieder etwas klarer an, ordentlich durchgepustet halt. Wettertechnisch sind wir total überrascht worden. Fast schon mehr Sonne, als wir verdient hat. Im Ernst, wir haben eigentlich mit deutlich schlechterem Wetter gerechnet und sogar Schal und Handschuhe dabei gehabt (jedenfalls meine Frau). Gebraucht hat es das nicht, aber wir kennen Borkum auch anders.

Apropos anders. Wir haben diesmal eine Kleinigkeit geändert. Statt zweimal Essen zu gehen und den Rest zu in der Ferienwohnung zum selber zu kochen haben wir es genau umgekehrt gemacht. Zwar hatten wir nur vorab im Februar (ja, sollte man so machen) nur für zwei Tage in zwei verschiedenen Restaurants reserviert, aber vor Ort ließ sich zum Glück noch was machen. Darauf sollte man sich allerdings nicht verlassen.

Kommen wir aber zu einem traurigen Thema. Zur einzigen Buchhandlung auf der Insel.

Nachruf auf eine Buchhandlung

Nach wie vor weiß ich nicht, was mit der Buchhandlung Borkumer Bücherstube passiert ist. Bereits im vergangenen Jahr bot sich ein extrem trauriger Anblick. Selbst in einem öffentlichen Bücherschrank gibt es mehr und zum Teil auch aktuellere Auswahl. Der Verkäufer an der Kasse wirkt auch so mit sich und seinem Smartphone beschäftigt, dass man ihn nicht fragen wollte, was mit der Buchhandlung passiert ist.

Ein riesiger Laden, gähnende Leere und dazu noch Nikotingeruch in der Luft. Das macht nicht Lust auf Bücher, sondern darauf, schnell die Buchhandlung wieder zu verlassen. Wenn das eigene Anforderungsniveau nur leicht über BILD liegt, wir man dort keine Urlaubslektüre finden. Pech für mich, denn das von zu Hause mitgenommen Buch von Martin Sabrow „Der Rathenaumord und die deutsche Gegenrevolution“ hatte ich zügig durch — es ist einfach ein verdammt spannendes Sachbuch.

Als Notlösung blieb mir dann nur noch die Tolino-App auf dem iPhone und der Kauf eines digitalen Buchs bei Thalia. Anmerkung dazu: Der Kaufvorgang toppt sogar noch den Erwerb einer Briefmarke zum selber ausdrucken bei der Post online. Allerdings gehe ich stark davon aus, dass es dafür einen guten Grund gibt. Apple hält ja bekanntlich für jeden Scheiß die Hand auf und auf dem Tolino selber (nicht in der App) kann man problemlos neue Bücher kaufen.

Brachliegendes Potenzial

Zurück aber zur Buchhandlung auf Borkum. Traurig macht mich daran auch, dass dort Potenzial brachliegt. Die Räumlichkeiten sind definitiv groß. Vielleicht zu groß für eine Inselbuchhandlung. Von Langeoog kenne ich die Buchhandlung Krebs ebenso wie die Buchhandlungen auf Föhr. Man muss kein riesiges Angebot haben. Allerdings eine gut sortierte Auswahl, die auch ansprechend präsentiert wird. Der Buchladen Neusser Straße in Köln-Nippes zeigt, wie so was geht.

Für Borkum würde ich mir auch ein neues, passendes Konzept wünschen. Die ganze Fläche für Bücher (soweit man das erkennen kann, hat das Geschäft noch eine obere Etage) ist sicher zu viel. Aber ein Mischkonzept mit Büchern und einem Café, also ein Lesecafé, wäre vielleicht eine gute Idee. Wenn es der Denkmalschutz hergibt sogar verbunden mit einem Umbau, unten mit bodentiefen Fenstern, um mehr Licht in die Räumlichkeiten zu lassen.

2 Kommentare

  1. Sie sprechen mir aus der Seele. Auch ich bin in diesem Jahr noch enttäuschter als die Jahre zuvor. In diesem Jahr habe ich den Eindruck, ein Fachgeschäft für Ladenlokalausstattungen zu betreten. Ich habe aber von meiner Vermieterin in Erfahrung gebracht, dass die Besitzerin der Buchhandlung gestorben ist und der ca 60jährige Sohn wohl nur noch bis Ende des Pachtvertrages geöffnet hält. Wenn ich nicht selber schon kurz vor dem Ruhestand wäre und das nötige Startkapital hätte, würde es mir in den Fingern jucken, hier auf „meiner“ Insel eine solche zu eröffnen, allerdings dann wirklich in einer kleineren Räumlichkeit. Es gibt doch nichts schöneres, als im Urlaub, wenn man Zeit und Muße hat, in Büchern zu stöbern, ich hoffe sehr, dass sich ein Nachfolger findet.

  2. Lieben Dank für die Info! Wir hatten lange gerätselt, warum die Buchhandlung so verfällt. Das man in kleineren Räumlichkeiten große vollbringen kann, konnte ich im Urlaub in Jever an der Buchhandlung „Die Bücherstube“ erleben.

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