Von allen guten und bösen Geistern verlassen

„Schon so erschöpft am ersten Arbeitstag?“

„Ich hatte eine lange Nacht.“
„Und die Arbeit erledigt sich nicht von alleine.“

Badinger erhob sich und folgte Hoppel mit nach vorne.

„Im Prinzip bin ich hier fertig“, entgegneten ihnen Fleisch von der Spurensicherung. Draußen warteten bereits zwei
Mitarbeiter eines Bestattungsinstituts, die Mäder in die Rechtsmedizin in Neueherenfeld bringen würden.

„Weißt du was hier merkwürdig ist“, sprach Badinger Hopple an „Es scheint weder hier noch vorne etwas zu fehlen.“

„Woraus schließt du das Holmes?“

Badinger ignorierte den ihm missfallenden Unterton in Hoppels Stimme.

„Schau dich doch mal um, der ganze Krempel, würdest du so was liegen lassen?“

„Als Kunstbanause, der ich bin, vermutlich schon. Keine Ahnung was das Zeug wert ist. Und zu Hause in die Vitrine würde ich es mir auch nicht stellen.“

„Genau das.“

„Wie meinst du das?“

„Darauf das das kein Raubmord ist, würde ich einen Kasten Alt verwetten.“

„Du solltest dich vorher erstmal in Köln einleben.“

Badinger und Hoppel gingen nach draußen auf die Straße, um den Männer vom Bestattungshaus bei ihrer Arbeit nicht im Weg zu stehen. Fleisch packte bereits zusammen. Hoppel klärte mit den Beamten von der Schutzpolizei das weitere Prozedere ab. Der Tatort, um den es sich mit ziemlicher Sicherheit handelte, würde vorerst versiegelt werden.
Badinger stieg über das Absperrband und schlug den Weg Richtung Wagen ein. Von hinten hörte er jemanden schnell näher kommen. Flaschen klimperten aneinander.

An ihm vorbei lief ein rothaariger Mann mit einem ebensolchen Bart. Der Mann drehte Badinger seinen Kopf zu und sprach mit dunkler Stimme „Schrei.“ Das r rollte er dabei auf der Zunge wie ein Karamellbonbon. Dann ging er einfach weiter, als wenn nichts gewesen wäre. Für einen Moment blieb Badinger verblüfft stehen, dann brachen seine antrainierten Reflexe durch.

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