Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Statt eines Versprechens sollte Frische eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Manchmal ist sie allerdings lediglich ein Unfall.

Merkwürdige Werbeversprechen

„Laufend frische Brötchen“ — vermutlich kennt jeder von uns solche oder ähnliche Schilder. Vermutlich hatten wir das Thema hier im Bloch auch schon mal. Zumindest wenn ich zum Bäcker gehe, erwarte ich frische Brötchen und nicht Backwaren vom Vortag. Na ja, eigentlich erwarte ich beim Bäcker noch etwas mehr. Mit dem Begriff frische Brötchen ist nicht viel gesagt. Schließlich werben auch zahlreiche Discounter damit, die lediglich über eine Aufbackstation verfügen.

Auch beim Bäcker kann man sich nicht sicher sein, ob man echte Handwerkskunst bekommt oder doch nur ein Backling beziehungsweise ein aus einer zusammen gerührten Teigmischung hergestelltes Brötchen. Frisch ist dann zwar zutreffend, aber kein Qualitätsmerkmal. Abgesehen davon gibt es eine ganze Reihe von Dingen, die erst mit zunehmenden Alter an Geschmack gewinnen. Salami, Schinken, Wein, Whiskey oder etwa Parmesan.

Selbst das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eher eine grobe Richtschnur. Bei Dingen wie Schokolade ist das MHD ehedem völliger Blödsinn. Glaubt doch niemand, dass eine angebrochene Tafel Schokolade lange so liegen bleibt.

Zurück aber zum eigentlichen Thema. Eine ganze Reihe von Produkten leiden tatsächlich am zunehmenden Alter. Nicht nur Salat, sondern auch so was Alltägliches wie Kaffee.

Am besten frische Bohnen

Klar, wer den Kaffee aus dem mobilen Bordbistro im Fernverkehr der Deutschen Bahn herunterbekommt, für den ist das Thema frischer Kaffee irrelevant. Für alle anderen noch mal ganz kurz zwei, drei Stichworte. Kaffee ist sensibel. Geröstet Bohnen sollten nicht lange aufbewahrt werden, schon gar nicht im Kühlschrank. Dabei sind Bohnen selber immer auch Kaffeemehl vorzuziehen. Erst kurz vor der Verwendung sollten sie entsprechend der Zubereitungsart gemahlen werden. Faustregel dabei: Je länger der Kontakt mit Wasser, desto gröber. Für eine French Press sollte es also nicht unbedingt der gleiche Mahlgrad sein wie bei Filterkaffee.

Von der Theorie zur Praxis. Während ich einmal die Woche beim Espresso eine Zeremonie draus mache, ist der Alltagskaffee bei uns tatsächlich vorgemahlen. Wieder besseren Wissens aus praktischen Gründen, da wir in der Küche nicht Platz für zwei Kaffeemühlen haben.

Die letzte Bestellung bei der Kaffeerösterei unseres Vertrauens ging aber etwas schief. Müde bestellen ist nie gut. Als die Lieferung kam, hatte ich ganzen Bohnen. Nicht nur beim Espresso, sondern auch beim Kaffee. Frische also tatsächlich als Unfall. Etwas ratlos fiel mir dann ein, dass wir doch noch eine zweite Mühle haben. Die läuft zwar nicht elektrisch, sondern von Hand, aber das Ergebnis überzeugte uns.

Die Bestellung heute umfasste dann ausschließlich ganze Bohnen — in voller Absicht.

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