Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Der letzte Arbeitstag eines Nachrichtensprechers wäre keine besondere Meldung. Im Falle von Jan Hofer sieht es leicht anders aus.

Letzte Tagesschau

Ein kleiner Schwenk zu seinem Arbeitgeber, bevor ich zu Jan Hofer komme. Obwohl ich die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten (sagt man das heute noch so?) schätze, konsumiere ich deren Programm lediglich in kleinen Dosen. Entweder als Stream aus deren Mediatheken (Schwerpunkt arte und NDR) oder aber die Website von tagesschau.de. Gerade die Website schätzte ich als unaufgeregtes, aktuelles und öffentlich zugängliches Nachrichtenportal.

Selbstverständlich weiß ich, dass den klassischen Zeitungsverlagen tageschau.de ein Dorn im Auge ist. Unter anderem die von mir ebenfalls geschätzte Süddeutsche Zeitung klagte, um eine deutliche Reduzierung der angebotenen Informationen zu erreichen — hindert sie aber nicht daran, öfter zusammen mit NDR und WDR als Recherche-Team brisante Themen aufzudecken.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Live und im Fernsehen habe ich die Tagesschau und somit auch Jan Hofer schon lange nicht mehr gesehen. Was Letzteren betrifft, habe ich gestern wohl auch die letzte Chance dazu verpasst. Nach fast 36 Jahren verabschiedet sich Jan Hofer im Schlusswort zur Sendung und entledigt sich dabei symbolträchtig seiner Krawatte.

Mit 68 Jahren darf man so was schon mal machen. Wenn dann noch Falschmeldungen wie in Medien wie der WELT über ihn kursieren, muss ich mich dann auch mal dazu äußern.

Niederrheiner Jan Hofer

Wer immer drüben, bei welt.de den Text über Jan Hofer geschrieben hat, hätte sich wohl mehr zeit dafür genommen, als eine Ausgabe der Tagesschau dauert. Es heißt dort „Mehr als dreieinhalb Jahrzehnte lang hat der gebürtige Rheinländer…“ — insbesondere ich kann so was nicht einfach stehen lassen. Nicht nach dem ich vor ein paar Tagen den wirklich guten Artikel von Holger Gertz über Hofer in der Süddeutschen Zeitung (hier schließt sich dann wieder ein Kreis) gelesen habe.

Mit Rheinländern verbindet man allgemein jenen Menschenschlag aus der Gegend um Köln. Wenn jemand wie Jan Hofer jedoch am Niederrhein geboren wurde, ist die Zuordnung als „Rheinländer“ doch etwas unpassend. Ob Herr Hofer das auch so sieht, kann ich nicht beurteilen. Ich als gebürtiger Niederrheiner mit Köln-Erfahrung möchte jedenfalls mit dem Menschenschlag aus der Domstadt in einen Topf geworfen werden. Es gibt Unterschiede, deutlich Unterschiede.

Was Hofer betrifft, find ich ein weiteres mit bisher nicht bekanntes Detail interessant. Nicht nur am Niederrhein geboren, sondern auch noch in Wesel, meiner Geburtsstadt. Vermutlich wird man dort Hofer kein Denkmal setzen, so wie Konrad Duden — oder mehre Schulen nach im benennen. Seine Verdienste schmälert das jedoch nicht.

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