20er Jahre sind zurück

20er Jahre sind zurück

Ähnlichkeiten im Namen oder in der Jahreszahl führen oft zu Verwechselung oder Übertreibungen. So auch bei den 20er Jahren.

Unsinnige Rückblicke

Besoffen Feuilletonisten und Medienberater absteigender Printmagazine fesseln zur Zeit von einer Rückkehr der 20er Jahre. Man muss keine Genie sein, um dies als Blödsinn zu enttarnen. Die 1920er Jahren sind unwiderruflich Geschichte. Damit kann man sich interessehalber beschäftigen. Aber Geschichte wiederholt sich nicht. Es werden redlich alte Fehler von neuen Menschen imitiert.

Die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts werden sich ganz deutlich von den 1920er Jahren unterscheiden. Natürlich kann in den ersten Tagen der neuen 20er Jahre eine Menge spekulieren. Dabei sollte man aber den Tatsachen dennoch ins Auge sehen.

Als die 1920er Jahre begangen, lag der Weltkrieg in Westeuropa gerade zwei Jahre zurück. Anderswo auf dem Globus wurde noch oder schon wieder gekämpft. Bis zum nächsten Weltkrieg war es nicht lange hin, aber das wussten die Menschen damals genau so wenig, wie wir selber in die Zukunft schauen können.

Jazz, Swing, Absinth, Charleston — Stichwörter, mit denen man sich das Lebensgefühl der 1920er Jahre vor Augen führen kann. Die „wilden“, die „goldenen“ 20er Jahre. Dabei gäbe es in den 1920er Jahren genügen Menschen, die im bitteren Elend lebten — sollte man an dieser Stelle wohl auch mal erwähnen.

20er Jahre segeln zurück
20er Jahre segeln zurück

Keinen neuen 20er Jahre

Für die eine war es eine Zeit, wo alles möglich erschien. Für die anderen ein kontinuierlicher Niedergang. Wohin dieser Deutschland führte, ist nur zu gut bekannt. Dem kurzfristigen Wirtschaftsaufschwung folgte eine weltweite schwere Rezension. Über die Einflüsse und Strömungen der 20er Jahre kann man viel nachlesen. Über die 2020er Jahre naturgemäß natürlich noch nichts. Die Situation damals ist meiner Meinung nach auch kaum mit der heute vergleichbar.

Was die allgemeine Entwicklung angeht, bin ich im Hinblick auf die 2020er Jahren skeptisch. Die letzten, wirklich großen Innovationen sind bereits etwas her. Eher sind es lediglich kleinere Verbesserung. Eine neue Generation Smartphones sind kein großer Wurf. Was technische Entwicklungen angeht, sehe ich aktuell nichts Bahnbrechendes. Das kann aber noch kommen. Schlimmer steht es dagegen in Hinblick auf gesellschaftliche Innovationen. Die großen Träume alternativer Gesellschaftsformen scheinen ausgeträumt. Schaut man nach vorne, sieht man keine goldene Zukunft. Eher Klimakatastrophe, Altersarmut und Ressourcenverknappung.

Auch noch als Jugendlicher hatte die Zahl 2020 auf mich eine geradezu magische Wirkung. Das würde eine wahnsinnige Zukunft werden, dachte ich. Wenig von dem, was ich erwartet habe, wurde Wirklichkeit. Dafür kann ich jetzt drahtlos unterwegs im Internet surfen. Das ist nett, aber kein Fortschritt hin zu einer besseren Welt. Selbst der Weltraum ist für uns Menschen ferner denn je geworden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren