Lügen als Stilmittel

Lügen als Stilmittel

Die Geschichte der Lügen ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Beabsichtigter Missverständnisse zur Irreführung der Mitmenschen.

Kurze Beine

„Lügen haben kurze Beine“, hieß es immer in meiner Familie. Mit andern Worten, mir sollte bereits als Kind deutlich gemacht werden, wie aussichtslos das Lügen ist. Pädagogisch kann man das sicher unterschiedlich beurteilen. Ziemlich gut kann ich mich noch an eines meiner erste Bücher erinnern, welches ich als Kind gelesen habe. Beziehungsweise vorgab komplett gelesen zu haben, denn in Wahrheit habe ich es nur zum Teil gelesen. Es gefiel mir nicht, obwohl der Protagonist eine sehr bekannte Figur ist: Pinocchio. Ja, darin steckt auch etwas Ironie.

Tatsächlich gefruchtet haben die Erziehungsversuche in dieser Hinsicht bei mir nicht wirklich. Nicht das ich Gefallen an Lügen hatte, aber eine Notlüge hielt ich trotz der 10 Gebote für legitim. Insbesondere dann, wenn ich mir damit etwas Zeit verschaffen konnte, weil mal wieder eine Klassenarbeit nicht so ausgefallen war, wie meine Eltern erwarteten. Besonders gut war ich im Verschleiern der Wahrheit jedoch nicht, denn meistens durchschauten meine Eltern mich innerhalb kürzester Zeit.
Ob ich etwas draus geleert habe? Schwer zu sagen, denn ich stellte im Laufe der Jahre auch fest, dass es eine Form der Lüge gibt, die gesellschaftlich sogar erwartet wird. Auf die Frage „Wie geht es dir?“ möchten eigentlich die wenigsten Menschen eine wirklich ehrlich Antwort haben.

Lügen eines Holzkopfes
Lügen eines Holzkopfes

Politik als Form der Lüge

Wie dem auch sei, eigentlich geht es mir zur Zeit nicht um die kleinen oder etwas größeren Lügen im zwischenmenschlichen Bereich. Sondern um handfeste Skandale. Schlimmer noch, um Lügen, an denen sich offensichtlich nur wenige stören. Damit könnten wir dann übergehen zum US-Präsidenten Donald Trump. Aber der ist wie die USA weit weg. Deutlich näher dran ist Großbritannien und der britische Premierminister Boris Johnson.

Das man jemanden, der nachweislich mehrfach gelogen hat, an der Spitze eines Staates im Amt lässt, ist für mich unbegreiflich. Bei den anfangs erwähnten Lügen ging und geht es in Regel darum, Rückschläge im Leben zu vertuschen. Auch in anderen Fällen sind hauptsächlich private Dinge. Aber bei Boris Johnson geht es nicht um Privatsachen, sondern um die Zukunft eines ganzen Landes. Mit allen Mitteln will Johnson am 31. Oktober dieses Jahr den Brexit. Der dafür zu zahlende Preis ist ihm egal. Die Menschen im Land werden hinsichtlich der Konsequenzen bewusst belogen.

Mir ist es auch unerklärlich, warum sich Johnson offensichtlich einer mehrheitlichen Zustimmung in Großbritannien sicher ist. Es gehört wirklich nicht viel dazu, sich die Konsequenzen eines Brexit ohne Vertrag auszumalen. Was aber, so frage ich mich, hat Boris Johnson dann davon? Will er in die Geschichte eingehen als der Mensch, der das Vereinigte Königreich entzweit hat? Ganz bewusst will er sich über das Gesetz gegen No-Deal-Brexit hinwegsetzen. Wissend, dass es vor dem 31. Oktober zu keinem Verfahren kommen wird. Er setzt auf Neuwahlen und darauf, dass sich die Bevölkerung des Landes täuschen lässt.

Wie lange seine Lügen halte, wird sich zeigen. Das mit den kurzen Beinen scheint jedoch in diesem Fall nur ein frommer Wunsch zu sein.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren