Spielwarengeschäft vor dem Aus

Spielwarengeschäft vor dem Aus

In Bonn steht das traditionsreiche Spielwarengeschäft Puppenkönig vor dem Aus. Nach über 100 Jahren werden die Türen für immer geschlossen.

Nur eine Zeitungsmeldung

Es war lediglich eine Zeitungsmeldung im Bonner General-Anzeiger beziehungsweise auf dessen Internetseite Geschäftsaufgaben gibt es immer wieder, wirtschaftliche Veränderungen machen auch vor einem Spielwarengeschäft nicht Halt. Allerdings wird man beim lesen des Artikels nicht ganz schlau draus, denn der Innhaber vom Puppenkönig schweigt sich über die Gründe für die Schließung aus.

Ein paar Tage habe ich daher den Artikel liegen lassen und noch mal recherchiert. Mittlerweile sind die Gründe von Geschäftsinhaber Alfred Westenhöfer doch bekannt geworden. Von seinen beiden Töchtern will keine das Spielwarengeschäft weiterführen. Eine sei nach Berlin, die andere nach Österreich gezogen. So ist das wohl auch in anderen Familien. Die Kinder schlagen andere, neue Wege ein und haben kein Interesse, die Firma ihrer Eltern zu übernehmen.

Auf der einen Seite kann man das gut verstehen. Jeder Mensch hat das Recht, seine Biographie selber zu gestalten. Schade, wenn ein traditionsreiches Geschäft deswegen schließen muss. Möglicherweise, und hier kann ich nur spekulieren, liegt es am Umgang in der Familie und der Erziehung.

So hat etwa mein Friseur hat das Geschäft von seinem Vater übernommen. Vorher aber Abitur gemacht und BWL studiert. Das geht, wenn man in sich ruht und Prioritäten im Leben anders setzt.

Cowboy auf dem Spielwarengeschäft
Cowboy auf dem Spielwarengeschäft

Städte ohne Spielwarengeschäft

Aber gut, jeder trifft seine eigenen Entscheidungen. Die der beiden Töchter möchte ich auf keinen Fall kritisieren. Interessanter ist an dieser Stelle, was der bisherige Geschäftsinhaber noch anführt für die Schließung.
Für sein Spielwarengeschäft sei die Konkurrenz durch das Internet zu groß geworden. So sollen laut seiner Aussage rund 50 Prozent der Verkäufe online erfolgen.

Das hört sich für ein Spielwarengeschäft drastisch an, entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Der Handelsverband Spielwaren geht von rund 40 Prozent aus. Der stationäre Fachhandel würde demgegenüber 30 Prozent Anteil haben. Ebenso sieht man eher optimistisch in die Zukunft.

Natürlich lässt sich die Konkurrenz durch den Onlinehandel nicht leugnen. Auch gibt es immer wieder Kunden, die sich vor Ort beraten lassen und dann online kaufen. Hier muss der Einzelhandel etwas entgegensetzen — vielleicht auch mit drastischen Mitteln.

Auf den Zigarettenpackungen sieht man Bilder von Folgeschäden durch rauchen. Einzelhändler könnte im Schaufenster Bilder von Innenstädten aufhängen, wo alle Geschäfte geschlossen und aufgegeben wurden. Genau das passiert nämlich, wenn der Onlinehandel weiter zunimmt.

Worauf konzentrieren?

Weder bin ich ein Experte für den Einzelhandel noch kann ich die Lage eines Spielwarengeschäfts beurteilen. Ferndiagnosen sind immer schwieriger, den Puppenkönig in Bonn kenne ich nur von außen.
Er zählt zu den Fachhändlern, heisst es. Das mag zutreffen, für mich als Brettspieler sieht es allerdings etwas anders aus. Spielwaren ist eine Oberkategorie, zu der unter anderem Puppen, Legosteine, Kinderfahrräder und Brettspiele gehören. Ein bunter Mix.

Genau so ein Spielwarengeschäft kenne ich aus meiner Kindheit und Jugend in Wesel. Das großartigste war jedes Jahr der dicke Vedes-Katalog in der Vorweihnachtszeit. Zum schmökern und träumen. Im Laden gab es eine Abteilung für Tornister und Taschen, so wie eine ganze Etage für Eisenbahn und Modellbau.

Als Jugendlicher schwand meine kindliche Begeisterung, denn viele Spiele, die mich interessierten, fand ich dort nicht — daher auch der Ausflug nach Köln, um sich mit Material fürs Rollenspiel einzudecken. Das war zu einer Zeit, als Onlinehandel nicht mal erfunden war.

Ich weiss, auch Brettspielgeschäfte haben ihre Probleme. Meine Befürchtung ist jedoch, dass die Zeit der Universalhändler in den Innenstädten vorbei ist. Von allem etwas ist kein Konzept. Jemand der sich mit Herzblut spezialisiert, ist für mich persönlich interessanter. Eine Überlebensgarantie ist das leider nicht.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren