Schwarzfahren macht frei

Schwarzfahren macht frei

Der öffentliche Nahverkehr ist für Städte wie Köln lebensnotwendig. Durch Schwarzfahren wird er ein Stück weit gefährdet.

Pulsschlag aus Stahl

Selbstverständlich macht schwarzfahren nicht frei, auch wenn jedem von uns die Entscheidung, es zu tun, frei steht. Möglicherweise fühlt man sich frei und rebellisch, wenn man kein Ticket löst oder eine Monats- beziehungsweise Jahreskarte dabei hat. Tatsächlich ist man beim Schwarzfahren frei von Verantwortung.

Freiheit sollte immer auch im Kontext von Verantwortung stehen, zumindest dann, wenn die Interesse anderer oder der Gemeinschaft tangiert sind. Genau das trifft nämlich beim Schwarzfahren zu.

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
Immanuel Kant

Würde jeder sich die Freiheit herausnehmen schwarz zu fahren, bräche der öffentliche Nahverkehr mangels Einnahmen zusammen. Den Schaden hätte die gesamte Gesellschaft zu tragen. Durch Städte würden sich dann Monster aus Stahl (sprich Autos) quälen. In unzähligen Staus ging es nur zäh voran, die Luft in den Städten ließe sich kaum noch atmen — ja ich weiß, auch ohne Schwarzfahrer ist das dank missglückter Verkehrspolitik Alltag in vielen deutschen Städten. Zurück aber zum eigentlichen Problem und zum Anlass für diesen Text.

Statt schwarzfahren
Statt schwarzfahren

Unfreiwilliges Schwarzfahren

Schwarzfahrer sind Schwarzfahrer. Und doch gibt es Unterschied. Eigentlich ließe sich eine ganz Abhandlung darüber schreiben. Es gibt Menschen, die kein Ticket lösen, obwohl sie es wollen — sie haben einfach kein Geld dafür.
Eine andere Kategorie sind die, die Geld haben, aber die Notwendigkeit für ein Ticket nicht einsehen wollen. Das ist jene Gruppe, die regelmäßig wenn sie erwischt wird, völlig frei von Schuldgefühlen lautstark und aggressiv mit den Kontrolleuren anfängt zu diskutieren.

Rebellen fahren schwarz, weil sie es „dem System“ mal so richtig zeigen wollen. Oder vielleicht, weil sie der Meinung sind, der öffentliche Nahverkehr müsse kostenlos sein. Deswegen bespielt auch erstmal die Allgemeinheit, aus Protest sozusagen.

Und dann gibt es da noch diejenigen, die im Prinzip ein gültiges Ticket haben. beziehungsweise korrekte, eine Monats- oder Jahreskarte. Nur nicht dabei, denn sie liegt irgendwo anders. Zu Hause, in der Schule, in der Umkleide — was auch immer. Steigen sie in Bus und Bahn ein, fahren sie auch schwarz. je nach Kontrolleur oder Beförderungsbedingung können sie dann, wenn sie kontrolliert werden, den Nachweis nachreichen und bekommen die 60 Euro (mindestens) erhöhtes Beförderungsgeld zurück erstattet.

Man kann aber in solchen Fällen auch einfach in den Apfel beißen und sich ein Ticket ziehen. Auch das ist Freiheit.

„Ich weiß, dass ich eigentlich keins bräuchte, schließlich habe ich eine Jahreskarte aber nur nicht dabei, aber ich mach mir und dem, der mich kontrolliert, das Leben leichter.“

Das gute Gewissen dabei kostet dann von Köln-Mühlheim nach Köln-Nippes zur Zeit drei Euro.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren