Spiel des Jahres 2018

Spiel des Jahres 2018

Die Preisträger zum Kennerspiel und Spiel des Jahres 2018 wurden heute bekannt gegeben. Leider aber auch das Spiel, welches den Sonderpreis 2018 bekommen hat.

Bangen im Livestream

Zum ersten Mal überhaupt habe ich heute die Verleihung des Preises Spiel des Jahres im Livestream verfolgt. Mir persönlich fehlt das Label „ich bin wichtig“, so dass ich vor Ort in Berlin nicht eingeladen war. Egal, spannend, um das vorweg zu nehmen, war es auch daheim in Köln zu verfolgen. Im Wesentlichen liegt es an meinem favorisierten Titel für den Preis. Etwas anderes als Azul wollte und konnte ich mir nicht als Spiel des Jahres vorstellen. Bis zur Verkündung des Gewinners hieß es aber erstmal bangen und hoffen. Nebenbei durfte man dann noch zwei weitere Preisträger über sich ergehen lassen.
Dankbar dagegen bin ich für die Einleitung von Bernhard Löhlein. Er berichtete anekdotisch, wie aus der Frage ob Gesellschaftsspiele im digitalen Zeitalter noch eine Zukunft haben das Erstaunen wurde, warum sich analoge Spiele trotz der digitalen Konkurrenz durchsetzen konnten und können. Genau das verdeutlicht auf der einen Seite die Bedeutung der Auszeichnung. Es zeigt auch, welche Verantwortung die Jury eigentlich hat. Ein gute Wahl zum Spiel des Jahres wirkt sich aus auf Menschen, die möglicherweise vorher kein Brettspiel zur Hand genommen haben.

Spiel des Jahres 2018
Skitterphoto / Pixabay

Wundersame Enttäuschungen

Einer wichtige Aussagen von Löhlein kann ich im großen und Ganzen zustimmen: die Qualität der Spiele hat zugenommen. Allerdings gilt auch hier, dass wohl viel Licht ist auch viel Schatten ist. Hier kann es ein Spiel sein, was grundsätzlich nicht funktioniert, was eine lediglich mangelhafte redaktionelle Bearbeitung bekam (wie etwa Nusfjord) oder wo das Spielmaterial unter aller Sau ist.
Was das Material angeht, kann man trefflich streiten über den Preisträger des Sonderpreises 2018. In so mancher Wundertüte steckt höherwertiges Spielzeug drin. Wundertüte und Adventskalender, man ahnt schon, auf was es gleich hinauslaufen wird hier. Ich bin wirklich entsetzt, dass Pamdemic Legacy Season 2 auserkürt wurde. Ja, e ist tatsächlich innovativ. Es enthält aber auch erhebliche Frustmomente, ist vergleichsweise teuer und erfordert von Anfang bis Ende eine feste Gruppe, mit der man es spielt. Ende ist hier auch wörtlich zu nehmen, dann nach Abschluss der Story ist das Spiel hinüber.
Bei uns hat es nachhaltig die Lust am normalen Panemdic Brettspiel verdorben. Die Aussage der Jury, dass Pamdemic Legacy Season 2 etwas ist, woran sich künftig alle Legacy-Spiele messen müssen, halte ich für unzutreffend. Persönlich hoffe ich zudem, dass der Hype um Legacy vorbeigehen wird. Im Übrigen ist es peinlich, wenn man bei einer Preisverleihung nicht mal für eine anständige Dolmetscherin / Dolmetscher sorgen kann.

Gewinner der Spiel des Jahres Auszeichnung

Einer aus Dreien. Dies gilt sowohl für den Preis Kennerspiel des Jahres als auch für Spiel des Jahres. Bereits im Vorfeld haben mich die Nominierungen irritiert. Mit insgesamt drei Spielen war Wolfgang Warsch vertreten, zwei Nominierungen als Kennerspiel, eine für den „Hauptpreis“. Michael Kiesling brachte es auf zwei Nominierungen, jeweils eine in der Hauptkategorie und eine als Kennerspiel. Sagt das etwas über den Spielejahrgang oder die Wahrnehmung der Jury aus? Hier in Köln hätte ich ja eine ganz andere Vermutung.
Das man Würfelspiele wie Ganz schön Clever als Kennerspiel nominiert ebenso wie Spiele, bei denen nicht gesprochen wird ernsthaft für den Preis Spiel des Jahres in Erwägung zieht — darf uns das noch wundern?
Den Preisträger des Kennerspiels 2018, die Quacksalber von Quedlingburg, habe ich selber noch nicht gespielt. Einen soliden Eindruck macht es, aber als Kennerspiel?
Immerhin wurde vom selben Autor nicht The Mind zum Spiel des Jahres gekürt. Das wäre für das Hobby ein wirklich fatales Signal gewesen. Gewundert hat mich hier die esoterische Erklärung für die Nominierung.

So sehen Sieger aus

Gewonnen hat zu meiner großen Erleichterung Azul. Der Begründung für die Nominierung kann ich nur zustimmen. Es ist ein haptischer und ästhetischer Genuss. Azul hat einen einfachen Auswahlmechanismus mit ziemlichen Tiefgang.
Herzlichen Glückwunsch dem Autor, Verlag, der Redaktion und uns als Spieler, denn das ist wirklich eine gute Wahl.
Neben der bereits angekündigten großen Ausgabe würde ich mir an dieser Stelle eine kompakte Reiseausgabe von Azul wünschen. Denn Azul ist ein Spiel, was immer wieder aufs Neue frisch und spannend bleibt. ganz anders als — lassen wir den Vergleich, um die Freude nicht zu schmälern.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren