Kennerspiel des Jahres gekürt

Kennerspiel des Jahres gekürt

Beim absinkenden Niveau der Spiele mit der Auszeichnung Spiel des Jahres richten sich die Augen der echten Brettspieler auf das Kennerspiel. Dieses wurde gestern gekürt.

Längere Vorgeschichte

Das mit dem absinkenden Niveau bei der Auszeichnung Spiel des Jahres ist selbstverständlich Blödsinn. Immer schon erlag die Burg Trends und Strömungen und zeichnete entsprechend Spiele aus. Zudem kann man sie nicht verantwortlich machen für eher schwache Spielejahrgänge — was wiederum auch Blödsinn ist, denn es gab auch in den vergangenen Jahren starke Titel, die es nicht mal auf die Nominierungsliste schafften.

Hier sollte die Zielsetzung im Auge behalten werden. Es geht um die Verbreitung des Kulturgutes Brettspiel. Ein sehr hochgesteckt Ziel, in jedem Fall. Als Brettspieler und dem Hobby seit über 30 Jahren verbundener Mensch stelle ich mir an dieser Stelle jedoch die Frage, wie stark die Außenwirkung tatsächlich ist. Anders gefragt, wie relevant der Preis für Menschen ist, die ansonsten nichts mit Brettspielen zu tun haben.
Es mag sicherlich Omas und Opas geben, die sich für jährliche Schenkungen an der Auszeichnung „Spiel des Jahres“ orientieren. Hier könnten Flohmärkte lange Geschichten erzählen, denn dort finden sich dann häufiger genau diese Spiele.

Zur Zeit, als ich im Rahmen meines Studiums in Bielefeld in einem Fachgeschäft für Brettspiele arbeitete, gab es keine Kundin oder Kunden, der gezielt nach dem Spiel des Jahres fragte.

Kommen wir ganz konkret auf das Kennerspiel des Jahres zu sprechen.

Kennerspiel Flügelschlag
Kennerspiel Flügelschlag

Definitionssache Kennerspiel

Die Auszeichnung „Kennerspiel des Jahres“ gibt es so in der Form seit 2011. Von Anbeginn an führte sie innerhalb der Szene (auch darüber könnte man lange diskutieren) zu kontroversen Diskussionen. Das liegt ganz entscheidend an der fehlenden Trennschärfe. Was zeichnet ein Kennerspiel aus, was ist dagegen ein Expertenspiel?

Exakte Abgrenzungen sind hier weder möglich noch sinnvoll. Es gibt durchaus Spielerinnen und Spieler, die sich von den Kennerspielen hoffnungslos unterfordert fühlen. Genau hier reiht sich der diesjährige Preisträger „Flügelschlag“ von Elizabeth Hargrave ein. Für mich war es der beste Titel unter den drei Nominierungen.

Persönlich mag ich Flügelschlag, halte es auch für ein wirklich gutes Spiel (meine Rezension dazu steht noch aus, ich weiß). Allerdings würde ich es nicht als Kennerspiel eingruppieren, sondern es wäre für mich ein würdiges „Spiel des Jahres„.

Damit zurück zum sinkenden Niveau, der provokativen Einleitung. In früheren Jahren, vor der Auszeichnung Kennerspiel, wäre Flügelschlag mit Sicherheit tatsächlich Spiel des Jahres geworden. Wir können lange und breit über die unterschiedlichen Standpunkte bei der Auszeichnung diskutieren. Vielleicht wäre aber auch ein ganz anderer Ansatz interessant. Die Frage nämlich, ob man bei den Auszeichnungen sparsamer sein sollte. Gab es nur noch das „Spiel des Jahres“ und allenfalls „Kinderspiel des Jahres“ würde das möglicherweise den Preis interessanter machen.
Oder man verfolgt genau den entgegengesetzten Weg und führte zusätzlich das „Expertenspiel des Jahres“ ein.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren