Menschlichkeit am Ende

Menschlichkeit am Ende

Abgelenkt durch Brot und Spieler geht die Menschlichkeit zu Grunde. In vielen Ländern erreicht der Umgang mit Flüchtlingen einen neuen Tiefpunkt.

Grenzwertig

Es gibt Momente, da bin ich sehr froh, keine eigene Kinder zu haben. Die Bilder von der US-Grenze zu Mexiko sind zutiefst verstörend. Kinder, von ihren Eltern getrennt und in Käfige eingesperrt. Ich habe keine Ahnung, wie ich meine eigenen Kinder in solchen Momenten das erklären könnte. Auch nicht, warum wir nichts dagegen unternommen haben und warum andere lieber wegsehen und sich über die schlechte Performance der deutschen Fußballnationalmannschaft in Russland aufregen.
Bleiben wir aber bei den sehr bedrückenden Bildern von Kindern in Auffanglagern der USA. Sie sind Opfer einer neuen Null-Toleranz-Politik, die US-Präsident Trump forciert hat. Menschen, die von Mexiko aus illegal in die USA einwandern wollen, sollen so abgeschreckt werden. Unmittelbar nach Grenzübertritt werden sie gefasst und bis zur Abschiebung eingesperrt. Da Kinder nicht mit ihren Eltern inhaftiert werden dürfen, werden sie von diesen getrennt eingesperrt. Ganz unabhängig vom Alter, sogar Babys sind dieser barbarischen Regelung unterworfen. Eine bekannte Moderatorin brach werden einer TV-Sendung, in der sie darüber berichten sollte, in Tränen aus. Eine Menschliche Reaktion, die genau so hoffen lässt wie die Welle der Empörung, die jetzt über Donald Trump zusammenschlägt.

Grenze der Menschlichkeit
WikiImages / Pixabay

Mehr Menschlichkeit wagen

Kritik kommt etwa von der britischen Premierministerin Theresa May genau so wie von Papst Franziskus und anderen. Sie verurteilen das Vorgehen und setzen sich für Menschlichkeit ein. Bisher sind es (Stand gestern) 2342 Kinder, die in so einem Auffanglager untergebracht sind. Getrennt von ihren Eltern, man kann es gar nicht oft genug wiederholen. Diese Abkehr von der Menschlichkeit macht mich genauso fassungslos wie das Schweigen hier in Deutschland.
Bisher gibt es kein Statement unserer Regierung dazu. Man ist nämlich ganz mit den eigenen Problemen beschäftigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem politischen Überleben und die CSU damit, genau dies zu hintertreiben. Beides ist wiederum ebenfalls verknüpft mit Flüchtlingen. Von der SPD hört man ebenfalls nichts, da war das wichtigste Ereignis in dieser Woche der Geburtstag der Parteivorsitzenden.
Das was US-Präsidenten an der Grenze zu Mexiko anrichtet, die Art und Weise, wie er die Menschlichkeit mit Füßen tritt, ist schlimm genug. Hier in Europa aber können wir aber nicht angewidert mit den Finger auf ihn zeigen. Wir würden übersehen, was sich selber an unserer Grenze zusammenbraut. Auch hier verabschiedet sich unter großem Getöse die Menschlichkeit. Wer bisher Ankerzentrum für eine dumme, gefährliche Idee hielt, muss neu denken. Der bayrische Ministerpräsident Söder und der österreichische Bundeskanzler Kurz schwärmen von Schutzzonen in Afrika, wo die Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Damit sie erst gar nicht nach Europa gelangen. Schutzzonen, ja die kennen wir. Aus der Kolonialzeit. Die hatten Namen wie Deutsch-Ostafrika. Für mehr Menschlichkeit standen sie trotz ihres Namens nicht.

2 Replies to “Menschlichkeit am Ende”

  1. Um noch mehr Rückbezüge herzustellen: Den Eltern wurde an der Grenze gesagt, die Kinder müssten ein Bad nehmen, und anschließend haben sie sie nicht mehr zu Gesicht bekommen, so ein Anwalt, der ihre Rechte vertritt. Da bleibt einem Deutschen mit Geschichtskenntnis die Luft weg.
    Ich komme in dieser Woche von dem Thema auch nicht mehr los.
    Grüße in die Siedlung!

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren