Er ist wieder da

Er ist wieder da

Darf man über Hitler lachen? Nach 30 Sekunden mit dem Film Er ist wieder da stellt sich diese Frage nicht. Wie sofort oft ist Ausschalten die beste Entscheidung.

Kurzes Gastspiel

Seit ein paar Tagen ist der Film Er ist wieder da auf Netflix verfügbar. Das Werk basiert auf dem gleichnamigen Buch von Timur Vermes. Bei Wikipedia heisst es, es wäre eine Filmkomödie. Nun denn, das Buch wurde mal als bitterböse Satire angepriesen. Überzeugt hat mich es vor fast sechs Jahren nicht. Die Leseprobe fand ich entsetzlich. Wieder besseren Wissens kaufte ich mir (das habe ich später im Blog unterschlagen) dann doch das Buch. Grober Fehler, das hatte ich tatsächlich besser wissen müssen.
Stilistisch ist Er ist wieder da eine mittlere Katastrophe. Man merkt Vermes die fehlende Erfahrung als Romanautor an. Die Handlung ist schnell erzählt — als sie jemanden überhaupt erzählt.
Im Berlin der Jetzt-Zeit wacht Adolf Hitler wieder auf. Offensichtlich hat er seinen Selbstmord überlebt und einen Zeitsprung von 70 Jahren vollzogen. Er ist wieder da — und ziemlich irritiert. Genauso wie der Leserinnen und Leser des Romans, die sich bis zur letzten Seite fragen, was das Ganze überhaupt soll. Trotzdem wurde das Buch und insbesondere das Hörbuch ein einschlagender Erfolg.

Er ist wieder da
MichaelGaida / Pixabay

Er ist wieder da — leider

Dieser Erfolg von Er ist wieder da könnte man mit der Faszination am Bösen erklären. Hitler als Gruselfigur. Könnte man so sehen, wenn man denn wüste, wer die Zielgruppe ist. Gutmenschen, die eine leichte Gänsehaut benötigen? Aussteigewillige Neo-Nazis? Alles wohl quatsch.
Hitler dient wohl eher als Figur, um damit Medienkritik zum Ausdruck zu bringen. Böse Talkshows und so. Ernsthaft? Das kann doch nur schief gehen. Ja, genau das tut es auch.
Es gab in der Vergangenheit viele Schauspieler, die Hitler im Film darstellten. Gelungen Versuche, grandiose Leistungen (wie die von Bruno Ganz in „Der Untergang“). Aber auch Beispiele, dass man Adolf Hitler durchaus durch den Kakao ziehen kann. Ein gutes Beispiel dafür ist „Mein Führer“ mit Helge Schneider.
Was aber will man von einem Film erwarten, der auf einem schlechten Buch basiert? Eigentlich nichts, dann kann man nicht enttäuscht werden. Das da dennoch geht, zeigt Er ist wieder da. Selbst mit zwei Gläschen Wein wird der Film nicht erträglich. Nach 30 Sekunden gestern Abend stand bei uns zu Hause fest, dass wir den Mist nicht weiter ansehen wollen. Die „schauspielerische Leistung“ war so unterirdisch, dass man in wenigen Augenblicken bereist am Anfang des Films vor lauter Fremdschämen vom Sofa fällt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren