Retouren auf den Müll

Retouren auf den Müll

Wieder geht das böse Gespenst amazon um. Es entsorgt Retouren auf den Müll. Dei Empörung ist genau so groß wie unsere Mitschuld.

Täglich klingelt der Bote

Im Jahr 2000 bestellten weniger als 10 Prozent der Deutschen Waren im Internet. Mittlerweile liegt der Anteil der Online-Käufer bei über 70 Prozent. Unser Land ist Europameister im Online-Shopping. Fast 12 Prozent des gesamten Einkaufsvolumens entfällt auf E-Commerce.
Gefühlt ist der Anteil bei uns in der autofreien Siedlung in Nippes deutlich höher. Die Papiertonnen sind regelmäßig voll mit Versandkartons. Das nicht immer alles reibungslos läuft bei Online-Bestellungen, hatte ich bereits berichtet. Auch welche Folgen eine Beschwerde haben kann. In dem gesamten Zusammenhang habe ich mir über Retouren noch gar keine Gedanken gemacht. Vielleicht auch deshalb, weil ich Dinge, die ich bestelle, auch tatsächlich behalte.
Bei uns zu Hause gibt es wirklich nur ganz wenige Retouren. Das sind da auch nur Fälle, wo die Ware ziemlich eindeutig von dem abweicht, was in der Beschreibung angepriesen wurde. Oder aber wie erst kürzlich, wo ein Hemd in XL mir erheblich zu klein war — wirklich, bei mir reicht XL aus. Ältere mir noch passende Kleidungsstücke haben sogar noch ein Schild mit L.

Retouren inbegriffen
geralt / Pixabay

Folgen der Retouren

Mir sind aber Fälle bekannt, wo Menschen Online-Shopping mit kostenloser Ausleihe verwechseln. Es werden Produkte für einen Anlass bestellt, benutzt und anschließend wieder zurück geschickt. Ganz bestimmt nicht die feine Art, wenn Retouren auf diese Art und Weise Zustande kommen.
Wir alle kennen auch Zeitgenossen, die bei den kleinsten Abweichungen schon kräftige Rabatte einfordern. Kleiner Kratzer auf der Umverpackung, Ausstellungsstück, wurde schon mal von einem anderen Kunden angefasst und ähnliches. Das Problem mit Retouren hat nicht nur der Online-Handel, sondern auch der stationäre Handel. Die Bearbeitung und Aufarbeitung von Retouren sei für die Unternehmen teuer, schreibt heute Michael Kläsgen für die Süddeutsche Zeitung im Artikel „Weg damit“.
Händler wie amazon entsorgen einen nicht unerheblichen Teil ihrer Retouren, heisst es. Plötzlich geht wieder mal ein Aufschrei durchs Netz.
Die Empörung über amazon ist meiner Meinung nach verlogen. Ja, amazon ist ein Konzern, der mir auch Bauchschmerzen bereitet. Man darf hier aber nicht einfach nur weil es sich gut und richtig anfühlt, immer auf den Gleichen herumprügeln. Wie gesagt, Retouren gibt es überall. Die Art des Umgangs ist, wie in der SZ zu lesen ist, überall ähnlich. Wem das nicht gefällt, der darf nichts mehr online bestellen. Er muss vor Ort im Laden einkaufen und auch nur dort, wo man mit Retouren verantwortungsbewusst umgeht.

Eigenes Verhalten anpassen

Empörung ist einfach als über das eigene Konsumverhalten nachzudenken. Oder noch schlimmer, seine Verhalten zu ändern, gar die eigenen Ansprüche etwas herunter zu schrauben. Wir brauchen zu Hause nicht alle Farben und Größen, wenn wir Kleidung bestellen — nur um dann das richtig zu behalten und den Rest wieder zurück zu schicken. Das ist ökonomischer und ökologischer Wahnsinn.
Beim Europameister Deutschland gibt es leider auch eine Kehrseite der Medaille. Wir bestellen nicht nur am meisten, bei uns wird auch am meisten zurück geschickt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren