Neus Logo für Wesel

Neus Logo für Wesel

Ist das Kunst oder kann das weg? Eine Frage, die sich bei dem neuen Logo für Wesel zwangsläufig stellt.

Sorgenkinder Geburtsorte

Es gibt Orte im Leben, die gleichen einem Paar Kinderschuhe. Irgendwann sind sie einem einfach zu klein. So ging es mir mit meinem Geburtsort Wesel. Bielefeld klang am Anfang vielversprechend, amerikanische Ende wurde einmal Lebenslänglich daraus — zumindest vom Gefühl her. Köln klang zu Beginn ebenfalls super, was draus geworden ist, lässt sich hier als Protokoll des Wahnsinns im Blog gut verfolgen.
Wie dem auch sei, Wesel ist keine Option für eine Rückkehr. Dann doch lieber irgendwo in die Eifel, wo Baugund noch bezahlbar ist (es gab da kürzlich an Angebot von einer dortigen Sparkasse; Preise für die man hier in Köln gerade mal einen Parkplatz bekommt). Trotzdem bleibt Wesel mein Geburtsort. Damit ich das auch nie vergesse, hat man mir das für mein gesamtes Leben in den Personalausweis geschrieben. Es gibt schlimmeres. Und damit sind wir dann auch beim Thema.

Neus Logo für Wesel
Neus Logo für Wesel

Wiesel als Logo für Wesel

Im Stadtwappen von Wesel befinden sich drei silbernen Wiesel auf rotem Grund. Ziemlich schlicht, aber auch eigentlich ziemlich genial. Ich mag es reduziert statt verschnörkelt. Beiwerk ist nicht notwendig und der sich 1984 endgültig durchgesetzte Verzicht ist daher ein gelungener Schritt gewesen — zumindest aus meiner Sicht. Was jedoch Erinnerung an ein Logo für Wesel angeht, so muss ich mühsam in meiner Vergangenheit kramen. Dennoch finde ich dort nichts. Das Wappen ist dominant. Gab es überhaupt ein Logo? Offensichtlich ja, denn irgendwas muss die Stadt ja auf ihren Briefbögen und ihrem misslungenem Internetauftritt verwendet haben. Hansestadt am Rhein, daher auch die stilisierte Schleife vom Fluß statt ein S. Totaler Blödsinn, so was in einem Logo für Wesel zu verwenden. Der Rhein teilt die Stadt und mir ist auch keine so auffällige Flussbiegung in Erinnerung.
Das es noch schlimmer geht, zeigt das neue Logo für Wesel, welches kritisiert und auch leidenschaftlich verteidigt wurde. Nach einem Ratsbeschluss von dieser Woche wird es ab 2019 offiziell verwendet werden. Es gab viel Lob in der Ratsversammlung. Kennt man ja aus dem Märchen „Keiserens nye Klæder“ von Hans Christian Andersen. Dabei ist offensichtliche Überdeutlich. Das neue Logo für Wesel ist nicht nur hässlich, sondern hat mit Stadt in feinster Weise etwas zu tun. Wenn schon ein Logo mit einem zweifachen roten Backslash, dann bitte auch mit einem Doppelpunkt davor. Das wäre dann wenigstens noch witzig gewesen.

Identitätsstiftende Logos

Das neue Logo für Wesel ist weder identitätsstiftend, noch hat es einen hohen Wie­der­er­ken­nungs­wert wie das Wappen. Es ist einem schlichtweg egal. Und könnte es mir auch sein, schließlich wohne ich nicht mehr in Wesel. Dennoch, es wurmt mich. Es unfassbar grauenvoll und ja, auch ich stimme zu, dass es jedes Kind mit Wasserfarbe hätte besser machen können.
Designprofessor Christoph Zielke sprach sich für eine Versachlichung der Diskussion um das neue Logo für Wesel aus. Ganz falsch, über so ein Logo kann und darf man nicht sachlich diskutieren. Man muss emotional werden, weil es eben um genau das geht. Um Emotionen, um die Identifizierung mit der Stadt und ihrem Logo. Da es nicht um ein Logo für die Wesel GmbH oder einen städtischen Betrieb, sondern für die Stadt selber ging, hätte man die Entwürfe im Vorfeld bereit zu Abstimmung durch die Bürgerinnen und Bürger freigeben sollen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren