Von Russland besetzt

Von Russland besetzt

Norwegen ist von Russland besetzt. In Staffle 2 von Occupied geht der Kampf um die Befreiung weiter.

Nicht ohne Spoiler

Direkt vorweg eine Warnung. Ich werde keine Rücksicht nehmen auf diejenigen, die die Serie noch nicht komplett zu Ende gesehen habe. Das mach ich nicht aus Böswilligkeit, sondern weil es anders nicht geht. Die Genialität dieser Ausnahmeserie lässt sich nicht anders hervorheben. Wer Angst vor Spoilern hat, sollte daher nicht weiterlesen.
Die erste Staffel endet mit einem Norwegen, dass von Russland besetzt wurde. Der „freundlichen“ Zusammenarbeit ist eine spürbare Form der verdeckten Besatzung gewichen. Der norwegische Ministerpräsident Jesper Berg floh zunächst nach einer Geiselnahme in die US-amerikanische Botschaft. Dem Botschafter und seiner Regierung wurde er allerdings zunehmen unbequem, so dass man ihn durch einen nicht lebensgefährlichen Giftanschlag loswerden wollte. Aus dem Krankenhaus wurde Berg dann von Fritt Norge entführt. Die Widerstandsbewegung reicht tief hinein in die norwegische Armee. Am Ende verschwindet die Wenche Arnesen, die Chefin des norwegischen Sicherheitsdienstes und hinterlässt eine Videobotschaft, in der sie sich als Anführerin von Fritt Norge outet.

Norwegen von Russland besetzt
simonstones / Pixabay

Schrei nach Fortsetzung

Das Ende der ersten Staffel ist so angelegt, dass man förmlich brennt, die zweite zu sehen. Das beschrieben offene Ende lässt einen in der Luft hängen, man möchte unbedingt wissen, wie es weiter geht. Mittlerweile weiß ich es — Staffel zwei übertrifft sogar noch Staffel eins. Nach wie vor sind die Figuren unglaublich mehrdimensional. Entwickeln sich, strampeln gegen die Widrigkeiten des Lebens ans. Die Handlung selber knüpft an die erste Staffel an. Norwegen ist von Russland nach wie vor besetzt, ohne das es offizielle als Besatzung benannt wird. Überall ist die russische Einflussnahme zu spüren, Jesper Berg ist nach Schweden ins Exil gegangen. Nach einem kurzen Intermezzo mit einem schwachen neuen Ministerpräsidenten übernimmt die ehemalige persönliche Referentin von Berg, Anita Rygg, den Posten der Ministerpräsidentin — ohne das zu vor freie Wahlen stattfanden.
Berg traut seiner Geliebten nicht zu, lange stand zu halten („Du wirst gefressen wie eine kleine Maus.“) Sie aber steht durchaus „ihren Mann“ und entfremdet sich von Berg. Sie geht mit den Russen immer mehr Kompromisse ein, um ihr Land vor einem Krieg mit Russland zu bewahren. Das Norwegen de facto von Russland besetzt bleibt, kann sie nicht ändern.

Russland besetzt Rechtssystem

Der Einfluss der Russen nimmt im weiteren Verlauf der Staffel zu. Sie nehmen Einfluss auf das Rechtssystem, übernehmen Geschäfte von Norwegen und schrecken vor schmutzigen Deals nicht zurück. Jesper Berg leitet unter dessen den Wiedererstand von Fritt Norge. Verdeckt trifft man sich zwecks Absprachen online im Spiel DAYZ. Die Gewählt eskaliert zunehmend, was sowohl den Fritt Norge und andere Gruppierung antreibt, aber auch die Russen und ihre Freunde auf norwegischer Seite. Auch wenn Norwegen von Russland besetzt wurde, so gibt es dennoch Norweger, die ihnen helfen. Ob es Kollaborateur sind, muss der Zuschauer selber entscheiden.
Eine der für mich interessantesten Figuren ist der ehemalige Personenschützer von Jesper Berg, der mittlerweile zum PST-Chef ernannt wurde. Hans Martin Djupvik hat etwas von einer Figur aus einem Drama. Sie will stets das aus ihrer Sicht Gute, gerät aber immer weiter in den Sog der Ereignisse. Auf dem Höhepunkt macht sich Djupvik selber des Mordes schuldig. Daran und an seiner Arbeit zerbricht letztendlich seine Ehe. Frau und Kind verlassen ihn. Am Ende der zweiten Staffel ist er übermüdet und leer und ist wieder dort angekommen, wo er am Anfang der ersten Staffel war. Selbst Jesper Berg konnte nur unter Opfern wider auf den Stuhl des Ministerpräsidenten zurück. Wobei offen bleibt, in wie weiter in das Attentat am Ende überhaupt involviert war. In seinem leeren Blick in der letzten Einstellung am Ende der zweiten Staffel fehlt jeder Funke Zufriedenheit.

Keine Helden

Wenn Norwegen wie in Occupied von Russland besetzt wird, dann sind natürlich die Russen die Bösewichte. Auch Staffel zwei macht hier wenige Versuche, an diesem Bild etwas zu ändern. Wenn man als schon einen Antagonisten hat, dann gibt es mit Sicherheit auch einen Helden. Nun, denn gibt es allerdings in Occupied nicht wirklich. Genau das macht die Serie für mich so großartig. Streckenweise leidet man mit den Figuren mit, man kann sie verstehen, auch Anita Rygg — es gibt einen hervorragend gespielte Moment, wo sie zu Böden stürzt und kurz vor der Bewusstlosigkeit ist. Der Schock über die Hinrichtung von Jesper Berg hat sie getroffen.
Eine tragische Figur ist wie bereits erwähnt Hans Martin Djupvik. Er rettet mehrfach das Leben von Irina Sidorova, der russische Botschafterin in Norwegen und gerät so in den Sog der Besatzung hinein. Ist er ein Held? MitSicherheit nicht. Er tut Gutes, hilft aber auch den Besatzern. Genau wie Rygg. Auf der anderen Seite kann man Jesper Berg auch nicht als Lichtgestalt betrachten. Seine Handlungen werfen die Frage auf, ob Widerstand um jeden Preis erfolgen sollte. Überhaupt sind es spannende Frage wie diese, die Occupied zu einer Serie machen, die noch lange nachwirkt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren