Occupied – Die Besatzung

Occupied – Die Besatzung

Die norwegische Fernsehserie Occupied (Okkupert) ist ein erstaunliches Juwel in der Serienlandschaft. Statt Zombies, weiße Wandere oder Drachen hat sie einen knallharten Stoff zu bieten – die Wirklichkeit.

Zufallsfund

Innerhalb weniger Tage haben wir zu Hause die erste Staffel (10 Folgen) von Occupied geschaut. Immer mehr als eine Folge auf einmal, denn die Serie entwickelt einen enormen Sog. Das wir überhaupt über sie gestolpert sind, ist mehr oder weniger ein Zufallsfund. Seit einiger Zeit bekommen wir bereits monatlich das ARTE Magazin. Kurz bevor ich die Ausgabe vom Januar, der ja nun bald zu Ende geht, dem Altpapier übergab, viel fiel mir ein Hinweis ins Auge. Für Februar wurde die 2. Staffel von Occupied angekündigt. Weder meine Frau noch ich hatte je was von der 1. Staffel gehört. Der Teasertext im Magazin machte uns beide neugierig. Wie es ein weiterer Zufall so will, gibt es die komplette 1. Staffel bei Netflix. Die Gelegenheit, vor Beginn der 2. Staffel in die 1. hereinzuschnuppern. Dabei blieb es wie bereits erwähnt nicht.

Occupied
office8 / Pixabay

Rahmenhandlung von Occupied

Die Handlung von Occupied ist in Gegenwart angesiedelt, auch wenn sie mögliche zukünftige Entwicklung zeigt. Die Auswirkungen des Klimawandels sind immer deutlicher spürbar. Nach einer Flutkatastrophe zog Norwegen die Reißleine. Die Bevölkerung wählte einen Ministerpräsidenten ins Amt, der einen radikalen Kurswechsel versprach. Der sofortige Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen. Ein paar Einstellungen des Vorspanns zeigen die Flutkatastrophe und Wahlplakate. Die Handlung der Serie setzt nach der Wahl ein.
Ministerpräsident Jesper Berg beendet die Förderung von Öl und Gas und damit auch die Lieferung dieser Brennstoffe nach Russland und Europa. Gleichzeitig wird von ihm ein Thorium-Kraftwerk als als Lösung der Energiefrage gepriesen. Im Rahmen der Eröffnung des ersten Kraftwerks wird Berg von russischen Soldaten entführt. In der ersten Folge sieht man ihn verwirrt durch eine Schneelandschaft wanken, bevor die Handlung ein paar Stunden zurückgespult wird.

Was wäre wenn

Bereits während der ersten Folge von Occupied beginnt das Gehirn des Zuschauers fieberhaft zu arbeiten. Was wäre denn wirklich, wenn … — der Plot erscheint alles andere als absurd. Man stellt sich selber Frage, wie andere Nationen reagieren würden, wenn ein Land wie Norwegen tatsächlich seine Öl- und Gasexporte auf Null reduzieren würden. Nicht ohne Grund wird gerade dem norwegischen Gas eine Schlüsselrolle bei der europäischen Energieversorgung zugeschrieben. Von heute auf morgen ließe sich demnach keine Alternative in den importierenden Ländern schaffen.
In der Serie führt das dazu, dass Europa gemeinsame Sache mit Russland macht. Jesper Berg wird dazu gezwungen, seinen Kurs zu ändern und die Förderung wieder auf das Niveau vor seiner Wahl anzuheben. Um die Kursänderung zu begleiten, entsendet Russland „freundschaftliche“ Beobachter. Nach und nach gleitet Norwegen in den Zustand einer Besatzung.

Gelungene Umsetzung

Die gesamte Umsetzung des Stoffs bei Occupied ist gelungen. Angefangen von den Schauspielern, der Kameraführung bis hin zu Erzählweise und Einteilung der einzelnen Folgen in Monate — dadurch sind größere zeitliche Sprünge möglich, ohne dass man den Faden verliert.
Was die Serie so großartig macht, sind ihre Figuren. Natürlich ist der überwiegende Teil der Russen, die als Antagonisten dienen, mehr oder weniger klischeehaft. Aber bei der russischen Botschafterin Irina Sidorova ist man sich dann nicht mehr so sicher. Will sie wirklich den Frieden erhalten? Welches Spiel spielt sie? Ist sie Marionette oder Puppenspielerin?
Die norwegischen Figuren sind dagegen eindeutig mehrdimensional. Mal Freiheitskämpfer, mal russische Sympathisanten, mal Profiteure der Krise. Häufig sogar alles in einem. Die Wirklichkeit ist kompliziert und Menschen haben mehr als nur ein Motiv für ihre Handlungen. Genau das triff auf die Figuren in Occupied auch zu. Eine Tat wie die Rettung eines Lebens kann enorme Folgen für den Retter haben. Bis hin zu dem Punkt, wo er sich für eine Seite entscheiden muss und es dennoch nicht kann. Ungeduldig und gespannt warten wir auf die 2. Staffel, die nächste Woche bei arte beginnt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren