Gedanken zum Frauentag

Gedanken zum Frauentag

Der heutige internationale Frauentag lädt zum Nachdenken ein. Insbesondere Männer sollten sich eine Reihe von Fragen stellen.

Emanzipierter Mann

Ein emanzipierter Mann, das hört sich wie ein Widerspruch an. Allerdings wird oft übersehen, dass es zwischen den ganzen Machos da draußen durchaus aus Männer gibt, denen die Gleichberechtigung auch wichtig ist. Als einen solchen würde ich mich bezeichnen. Meine Haltung wurde von starken Frauen geprägt, unter anderem von meiner damaligen Religionslehrerin. Sie inspirierte mich, Bücher von Alice Schwarzer zu lesen. Was dann wiederum Einfluss auf mich hat. Guten Einfluss, möchte ich betonen.
Als Mann, als Mensch muss ich mich dafür schämen, in einem Land zu leben, in dem Gleichberechtigung in vielen Teilen der Gesellschaft nur auf dem Papier existiert. Nach wie vor werden Frauen schlechter bezahlt, nach wie vor sind sie von Altersarmut deutlich stärker als Männer bedroht. Mann sollte sich selber fragen, was getan werden kann, um diese Zustände zu ändern. Heute eine Blume zu verschenken, ist das Lächerlichste, was einem einfallen kann. Es heisst, es ginge um die Geste. Ja schön, und warum dann ausgerechnet Blumen? Schenkt man Männern etwa normalerweise Blumen? Genau das meine ich. Richtig in den Köpfen ist die Gleichberechtigung noch nicht ankommen.

Frauentag
LJNovaScotia / Pixabay

Frauentag als Eintagsfliege

Einmal im Jahr ein Frauentag, dann nochmal einen Muttertag — das ist nicht genug. Es ändert auch nichts an den Zuständen. Früher dachte ich, es würde mit der Zeit eine andere Generation von Männern heranwachsen, die Frauen als gleichberechtigten Partner ansehen. Eine Illusion, wie ich heute weiss. Wenn jüngere Kollegen nach wie vor die gleichen Vorurteile wie ihre Väter und Großväter haben, wird sich auch in Zukunft wenig und das nur langsam ändern.
Jeder von uns Männern kann theoretisch selber seinen Beitrag leisten. Unabhängig von Gesetzen und dem Rest der Gesellschaft. Es fängt im gemeinsamen Haushalt an. Das Frauen die Hausarbeit machen, ist kein Naturgesetz. Mann kann hier drauf achten, dass alle Tätigkeiten gleichmäßig und gerecht aufgeteilt werden. Wenn die Frau sich um die Wäsche kümmert, ist der Mann für das Putzen der Wohnung (ja, auch des Klos!) zuständig — so wie bei uns zu Hause. Es ist einfach, Dinge als selbstverständlich. Dagegen erfordert es Arbeit und immer wieder Verhandlungen, Aufgaben gleichberechtigt zu verteilen. Es gibt keine typischen Frauenaufgaben und auch keine typischen Dinge, die nur Männer erledigen können (außer vielleicht im Stehen pinkeln, was auch ein Grund fürs Klo putzen sein sollte). Nur am Muttertag morgens den Tisch decken oder am Frauentag mit einem Blümchen aufwarten, ist erbärmlich.

Sprache verrät uns

Zur Zeit lese ich „Artefakt“ von Gregory Benford. Ein Buch mit einer miesen Bewertung auf amazon, ganz offensichtlich, weil der Rezensent nicht zwischen den Zeilen lesen kann. Tut an dieser Stelle auch weiter nichts zu Sache. Es gibt eine sehr interessante Stelle im Roman, wo sich die Hauptfigur die amerikanische Archäologin Claire Anderson, zur deutschen Sprache äußert. Sie hat diese nicht weiter gelernt, als sie auf eine Diskriminierung der Frauen in dieser Sprache stieß.
Im Deutschen gibt es drei bestimmte Artikel. So wird der für männliche Wörter, die für weibliche Wörter und das für sächliche Wörter verwendet. So weit, so gut. Es heisst der Junge, der Mann — selbstverständlich. Aber das Mädchen, das Fräulein und die Frau. Erst durch Heirat erhält ein Mensch weiblichen Geschlechts in Deutschland einen weiblichen Artikel. Vorher ist sie ein Neutrum. Das sagt viel über unser Mentalität aus. Und es bedeutet, dass sich noch eine ganze Menge ändern muss, nicht nur in den Köpfen. Darüber lohnt es sich nachzudenken, auch über den heutigen internationalen Frauentag hinaus.

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren