Apple und die Steuernachforderung

Apple und die Steuernachforderung

Wie jeder andere Bürger auch zahle ich meine Steuern. Eigentlich lediglich ein fast richtiger Satz, denn es müsste heissen „wie jeder anständige EU-Bürger“. Zudem müsste ich auch schreiben, dass ich den normalen ermittelten Steuersatz zahle und weder versucht habe noch versuchen werde, die Steuerlast durch merkwürdige Firmenkonstrukte zu mindern. Letztere hat Appel im großen Stil in der Vergangenheit getan, ganz egal, im Unterschiede zu den Schlaumeier, die durch die Panama-Papers ans Licht gezerrt wurden.

Steuern bezahlen macht keinen wirklichen Spaß. Wenn man sieht, wie wenig von den Frühen seiner Arbeit über bleibt (es kommen ja noch Sozialabgaben, Krankenversicherung, Kirchensteuer etc. dazu), könnte man heulen. Nicht nur manchmal, sondern bei jeder Lohnabrechnung. Allerdings ist mir bewusst, warum ich Steuern bezahle und aus welchen Gründen sie notwendig sind. Steuern sind Einnahmen des Staates, in dem wir leben. Böse Zungen behaupten gerne, damit würden faule Politiker bezahlt.

Double Irish
Quelle: The New York Times

Die Wahrheit ist: der größte Teil der Steuern wird nicht verschwendet, sondern kommt der Allgemeinheit zu gute. Es werden Straßen und Schulen gebaut, Lehrer davon bezahlt und auch Menschen unterstützt, denen es nicht so gut geht. Wer Steuern zahlt, handelt sozial verantwortlich. Andersherum ist für mich persönlich jede Art der Steuerverkürzung ein asoziales Verhalten. Es schadet der Gemeinschaft.

Lange, schon sehr lange nutze ich Produkte der Firma Apple. Die sind zwar deutlich teurer als ein Standard-PC mit Windows, aber ich komme damit besser zurecht. Ob die Hardware den Preis wert ist, war mir eher unwichtig. Sie sah schick aus, alles funktioniert aus einem Guss und darauf kam es mir schließlich an. Ob die Appel korrekt seine Steuern bezahlte, war für mich in der Vergangenheit kein Thema. Seit gestern ist das anders, denn mit der Entscheidung der EU-Wettbewerbskommission, Apple zu einer Steuernachzahlung von 13 Milliarden Euro auffordern, kann man nicht einfach wegschauen.

13 Milliarden Euro — das sind alles andere als Peanuts und ein Schlag ins Gesicht jeder Bürgerinnen und jedes Bürgers, der seine Steuern zahlt. Bezahlt hat Apple selbstverständlich auch, in Irland mit entsprechenden Ausnahmeregelungen einen Satz von 0,005 Prozent. Macht nach Adam Ries für jeweils 1 Millionen Euro Verdienst einen Betrag von 50 Euro.

Deutlicher kann man eigentlich nicht zum Ausdruck bringen, (man verzeihe mir die Wortwahl) dass an auf die Gesellschaft scheißt. Kunden sind Konsumenten, die man melken kann. Ob die in diesem Moment noch frohe Mutter einer dreijährigen und Neubesitzerin eines iPhones morgen ihr Kind nicht mehr in den Kindergarten bringen kann, weil der mangels Finanzierung schließen musste, ist egal.

Der CEO Tim Cook mag sich mit einer Nachricht an die Community herausreden — ich für meinen Teil nehme ihm das nicht ab. Die Steuerlasten sind ganz eindeutig ungleichmäßig verteilt und ich hoffe darauf, dass das Verhalten von Apple Konsequenzen haben wird. Als Kunde kann ich einen Brief an Apple schreiben, meine Empörung zum Ausdruck bringen (hiermit geschehen) und in letzter Konsequenz den Konzern boykottieren. Ändern werde ich vermutlich damit nichts, außer das ich in Zukunft bei einem Boykott mir selber ins eigene Fleisch schneide.

2 Replies to “Apple und die Steuernachforderung”

  1. Apple nutzt lediglich die rechtlichen Möglichkeiten aus, die von Gesetz her möglich sind. Dies ist völlig legitim und schließt auch die möglichen dubiose Steuersparkonstrukte mit ein.

    Ihnen kann aber vorgehalten werden moralisch und ethisch verwerflich zu Handeln, insbesondere wenn ein CEO wie Cook es nicht peilt, dass da etwas nicht sauber läuft.

    Vielmehr ist die EU gefordert, diesen Sparmodellen bzw. Ausnahmeregelungen mit einheitlichen europäischen Steuergesetzen, notfalls auch gegen nationale Widerstände, endlich konsequent entgegenzuwirken.

    1. Nicht alles was legal ist, ist auch moralisch vertretbar. Die Ausnahmeregelungen und Sparmodelle auszutrocknen sollte wirklich Priorität haben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren