Blogparade – Taschenbuch oder eBook, Zeitung oder Online-Ausgabe – was liest du lieber?

Am Straßenrand stehend beobachte ich geschmückte Wagen vorbeiziehen. Gerade will ich mich wegdrehen, weil ich Karneval, Umzüge Und Praden, die danach organisierter Festlichkeit riechen, nicht mag, als mich etwas Hartes am Kopf trifft. Keine Kamellen, sondern ein Buch. Ich wache im Liegestuhl auf und blicke hoch in die Frühlingssonne, vermutlich war ich lediglich kurz eingenickt beim Lesen. Noch immer halte ich — ja was eigentlich in der Hand? Genau darum geht es in der Blogparade von ABS-Lese-Ecke. Um Bücher, Zeitungen oder Dinge, die behauten so etwas zu sein dabei aber etwas ganz anderes sind. Oder auch nicht. Da Bücher in doppelter Hinsicht, als Leser und Autor, genau mein Thema sind, konnte ich selbstverständlich nicht widerstehen. Kommen wir aber ohne weitere Abschweifungen zu den Fragen aus der Lese-Ecke.

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Bevorzugst du Taschenbücher oder eBook oder ist dir das egal?

Über diese Frage musste ich etwas nachdenken, weil es eine suggestive Frage ist. Man entscheidet sich hier nicht lediglich zwischen Taschenbüchern oder eBooks, beziehungsweise gibt eine Präferenz ab. Taschenbuch und eBook werden zum Vergleich herangezogen während Paperbacks und Hardcover außen vor gelassen werden. Das vermittelt den Eindruck, bei den beiden zuletzt genannten Formaten gäbe es gar keine Alternative, kein Abwägen, sondern es wäre, unter anderem begründet mit dem Preis, bereits klar. Vorschnelle Antworten hinsichtlich des Preises führen hier zielstrebig aufs Glatteis. Sofern es von einem Titel nur die Hardcover-Ausgabe gibt, es das möglicherweise vorhanden Pendant im eBook-Bereich nur wenig günstiger — zumindest solange bis es den Titel als Taschenbuch gibt.

Bevor ich hier zu weit abschweife, fasse ich die Frage der Einfachheit etwas weiter, was dann auch meine Lesegewohnheiten besser abbildet in Hinblick auf die Antwort. Also, bevorzuge ich eine wie auch immer gedruckte Version eines Buches oder die elektronische Form? Für mich gibt es eine klare Trennung zwischen Medium, dem Träger, und dem eigentlich Inhalt. Eine gute Geschichte ist unabhängig vom Medium. Ihr ist es egal, ob sie mündlich überliefert, gedruckt oder digital daher kommt. Eine gute Romanhandlung zieht einen in den Bann, so dass die eigentliche Frage dabei in den Hintergrund tritt. Gedrucktes, das als später Gelesenes ins eigene Regal wandert, dient, so könnte man böswillig unterstellen, lediglich der Pflege einer überkommenen bürgerlichen Eitelkeit. Der Ausdruck einer Belesenheit, die man zur Schau stellt. Dennoch, auch ich kann mich ihr nicht entziehen. Allerdings sind die Regale schmerzlich voll, was sich insbesondere bei den letzten Umzügen als Gewicht in Kartons bemerkbar machte.

Ganz pragmatisch gehöre ich jedoch zu den Menschen, die im Sinne der eigentlichen Fragestellung ganz klar ausrufen: „Ja, ich lese eBooks!“ Nicht nur gelegentlich, sondern fast ausschließlich. Wenn ich ein Buch in einer anderen Form kaufe, dann vornehmlich deshalb, weil es als eBook nicht verfügbar ist. Meine Entscheidung für das Format hat ganz pragmatische Gründe, aber das gehört dann bereits zu den Fragen, die sich um Vor- und Nachteilen der Formate drehen.

Bevor ich zur nächsten Frage übergehe, noch ein kurzer Seitenhieb, auf Bücher, die riechen. Ein ebook riecht nicht, was vermutlich gerade Allergiker, zu denen ich aber nicht gehöre, zu schätzen wissen. Nein, für mich muss ein Buch nicht riechen. Und als jemand er selber schreibt, wünsche ich mir selber auch geruchsneutrale Bücher. Gerüche gehen direkt ins Stammhirn und werden dort verarbeitet. Ob wir es wollen oder nicht, ein Geruch beeinflusst uns. Das mag gut sein, wenn zum Beispiel ein Liebesroman nach frischen Erdbeeren riecht, oder ein Fantasy-Schmöker nach Öl und Leder. Was aber, um bei diesem Beispiel zu bleiben, wenn es genau umgekehrt ist? Das hinterlässt einen ganz anderen Eindruck und beeinflusst unsere Art der Wahrnehmung im Hinblick auf die Handlung. An dieser Stelle entlasse ich ins selber weiterdenken und gehe nun wirklich an die nächste Frage.

Welche Vor- und Nachteile haben Taschenbücher?

Wie schon bei der ersten Frage, weite ich auch auf alle gedruckten Bücher, denn ich mach da keinen Unterschied. Es gibt für mich auch nur zwei. Den höheren Preis bei gebundenen Büchern (lassen wir mal beiseite, dass „gebunden“ nicht gleich gebunden ist) und der optische Eindruck im Regal. Das beiseite lassend zu den Vor- und Nachteilen. Oft wird angeführt, gedruckte Bücher ließen sich einfacher verleihen oder verkaufen. Mal abgesehen davon, dass dies bei eBooks nur eine Frage der Zeit ist, bis es dafür auch eine Lösung gibt, gehöre ich für meinen Teil zu den Menschen, die ihre (gedruckten) Bücher weder verkaufen und auch nur sehr sehr ungern verleihen. Das hängt mit dem archaischen Jäger und Sammler Genen zusammen. Ein gedrucktes Buch will ich „besitzen“. Wenn ich es verleihe, weiß ich nicht ob, wann und in welchem Zustand ich es wieder bekomme. Wenn ich es dagegen verkaufe, müsste ich mir ehrlicherweise die Frage stellen, warum ich es überhaupt vorher gekauft habe. Und nicht geliehen, was aber dann wieder zu einer interessanten andern Frage führen würde, die ich hier mal aus Gründen nicht weiter verfolge.

Halten wir fest, gedruckte Bücher im Regal schmeicheln dem Ego. Ganz klar ein Vorteil, wenn man so will. Sie brauchen keinen Strom, wenn man in ihnen lesen will. Was ihre Haltbarkeit angeht, nun ja. Am besten halten sie, wenn man sie ungelesen in Folie lässt (was bei Taschenbüchern schon mal schier unmöglich ist, da sie im Regelfall umweltfreundlich ohne Folienverpackung daher kommen). Jedes gedruckte Buch, was gelesen wird, trägt Spuren und Zeichen davon. Manche, auch aus deutschen Verlagen, halten selbst bei pfleglicher Behandlung nicht mal bis zur letzten Seite durch. Mir sind schon Bücher vor Ende der Handlung förmlich zerfallen, weil die Klebung so mies war. Beim Rest kann man dann später zusehen, wie sie im Regal Staub ansammeln und die Seiten vergilben. Das gedruckte Bücher Platz wegnehmen, hatte ich bereits bei Beantwortung der ersten Frage anklingen lassen.

Es gibt aber auch Vorteile gedruckte Bücher. Ein Verlust, wie bei mir vor ein paar Tagen, ist deutlich leichter zu verschmerzen als wenn man sein Lesegerät irgendwo liegen lässt, denn das ist in der Regel teurer. Abgesehen davon befindet sich auf dem Lesegerät für eBooks garantiert nicht nur ein Buch. Zudem kann man überall in der Wohnung verteilt Lesestapel einrichten, so dass man nach Licht, Wetter und Stimmung sich selber im Vorbeigehen dazu animiert, in ein bestimmtes Buch hineinzulesen.

Der größte Vorteil für mich jedoch ist der, dass man mit gedruckten Büchern Buchhandlungen einrichten kann, welche für mich immer noch Orte der Inspiration sind.

Eine Legende zu folge soll man gedruckte Bücher auch mit in die Badewanne nehmen können, ein Umstand, der häufig als Vorteil gegenüber eBooks angeführt wird. Selbst wenn man unberücksichtigt lässt, wie viele Menschen im Alltag eigentlich hauptsächlich die Dusche benutzen, ist die Badewanne für ein Buch der falsche Ort. Es kann nämlich ins Wasser fallen, was Papier nicht besonders schätzt. Einen ebook Reader kann ich dagegen wasserdicht verpacken und trotzdem noch die Seiten noch umblättern — eine mehr oder weniger gelungene Überleitung zu nächsten Frage.

Welche Vor- und Nachteile haben eBooks?

In den Zehn Geboten heißt es unter anderem „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“ Eingeschränkt gilt das für gedruckte Bücher auch. Nicht weil sie einem mit Verdammnis, Blitz und höllischem Leiden strafen würden, wenn man neben einem Buch noch ein andere liest — es ist einfach eine Gegebenheit, zumindest wenn man als Mensch viel unterwegs ist. Nur der Auswahl wegen schleppe ich nicht jederzeit in meiner Tasche eine Sammlung von gedruckten Büchern mit mir herum (lassen wir es, dass andersherum auf Gott und Götter zu übertragen). Bei eBooks geht es allerdings, ohne dass es ein Milligramm mehr wiegt. Tausend Bücher auf einem Stecknadelkopf, sozusagen. Dabei brauch ich nicht mal einen längeren Urlaub, bei dem man früher schmerzlich entscheiden musste, was für Lektüre in den Koffer durfte uns was nicht, als Beispiel heran zu ziehen. Ich pendle viermal die Woche, hin und zurück, eine Strecke von rund 170 Kilometer. Unterwegs im Zug bekomme ich einiges gelesen. Unvermittelt ohne Lektüre da zu stehen, weil ein Buch aus ist, kommt durch eBooks nicht vor. Jederzeit ist Nachschub da, ich kann auch rund um die Uhr neuen kaufen.

Ein eBook bedarf eines Lesegeräts. So ein eBook Reader ist im günstigsten Fall erheblich leichter als jedes Taschenbuch (ausnahmsweise meine ich wirklich mal Taschenbuch an dieser Stelle). Umblättern ist bequem, lesen in jeder Körperhaltung möglich, und wenn man einen mit Hintergrundbeleuchtung hat, was ich wärmstens empfehle, dann ist man völlig unabhängig von der Lichtquelle. Situationen wie diese

„Schatz, mach bitte das Licht aus!“
„Nur noch zwei Seiten bis zum Ende des Kapitels.
Grummeln.
ZWEI STUNDEN SPÄTER
„Du liest ja immer noch!

Szene einer Ehe. Bei einem eBook Reader mit Glowlight wäre das nicht passiert. Darüber hinaus ermöglicht ein elektronisches Lesegerät, mir auf bequeme Art und Weise Notizen zu machen. Gerade wenn ich über ein Buch hinterher blogge, ist das für mich kein unwesentlicher Faktor, der für ein eBook spricht.

Über Nachteile bei eBooks nachzudenken, führt zwangsläufig zu Diskussion über Kopierschutzverfahren. Sie sind Schutz und Hindernis gleichermaßen. Schutz gegen unerwünschte Weitergabe, Hindernis jedoch, um Skeptiker zu überzeugen, die zu Recht davon sprechen, wie stark der Kopierschutz einen Eingriff darstellt. Ob man bei eBooks ohne Kopierschutz auskommen würde, lässt sich schwerlich beantwortet. Für mich ganz persönlich ist derzeit der Social DRM der beste Kompromiss. Ein digitales Wasserzeichen, dass mir eine uneingeschränkte Nutzung auf unterschiedlichen Geräten ermöglicht. Ein knallharter Kopierschutz, dem eine ständige Onlineverbindung nötig wäre, oder aber ein regelmäßiger Abgleich über das Internet stattfindet (siehe DRM 3) lehne ich ab. Das würde sich künftig, sofern sich DRM 3 durchsetzt, auch auf meine Kaufentscheidungen auswirken und zur einer gesamten Revision meines Nutzungsverhaltens führen.

Machst du deine Buch-Kaufentscheidung davon abhängig, ob das Buch in der von dir bevorzugten Version angeboten wird?

Haben-wollen. Eine Kaufentscheidung bei mir hängt einzig und allein davon ab, wann ich gedenke, ein Buch zu lesen. Eine konkrete „Hungersnot“ bedroht mit nicht, also kann ich bei der Auswahl meines Lesenachschubs schon wählerisch sein. Oft ergibt sich eine Entscheidung spontan. Auf einer Autoren-Lesung eine gedruckte Ausgabe kaufen und diese signieren lassen (ein Nachteil, den ich vergaß bei eBooks anzuführen: man kann keine Widmung reinschreiben lassen). Abends mit Zugverspätung am Bahnhof gestrandet sein, Plakat eines Buches sehen, sich die Leseprobe herunterladen, feststellen, das man sich noch bevor der endlich eintrifft, festgelesen hat und das Buch beim Einsteigen kauft. Oder anders gesagt: die Kaufentscheidung hängt davon ab, wann ich mich in die Roman-Handlung stürzen möchte. Bei einem gedruckten Buch schwingt immer die Frage mit: Muss das unbedingt im Regal stehen?
Und wenn es ein Autor ist, von dem bereits gedruckte Bücher im Regal habe, ist die Entscheidung eigentlich klar. Der Vollständigkeit halber muss auch sein nächster Roman in gedruckter Form erworben werden.

Und nun zu Zeitungen und Zeitschriften. Liest du die lieber auf Papier oder als Online-Ausgabe?

Die Gretchenfrage für mich. Oder aber der Beweis des Genteils. Oder einfach ganz normale menschliche Wi dersprüche. Seit Jahrzehnten lese ich morgens zum Frühstück eine gedruckte Tageszeitung. Fehlt diese, werde ich nervös. Ich brauch das Ritual, freue mich darüber, dass ich die Kulturtechnik des geschickten Faltens beherrsche und rege mich nicht darüber auf, wenn Tee oder Samba auf die Zeitung tropft. Für mich ist eine Zeitung auch noch im gebrauchten Zustand wichtig. Zum ausstopfen der Wanderschuhe nach einem Regenguss, als Unterlagen beim Kartoffel schälen und so weiter. Gleichzeitig freue ich mich als Autor darüber, dass es meine Zeitung auch für mich als Abonnent als PDF-Version gibt. Einzelne Artikel, Ideen für eine Geschichte, kann ich so bequem sammeln, denn ansonsten ist eine Zeitung nichts, was man aufhebt. Das reine Onlineangebot ist lediglich eine Ergänzung. Die letzte Frage, „Warum bevorzugst du die Papier- bzw. die Online-Version?“ ist wohl auch beantwortet.

Bei Zeitschriften überwiegt im Unterschied zur Zeitung das Sammeln. Informationen gegen über das Tagesgeschehen hinaus. Sofern möglich, greife ich daher zur PDF-Version, gerne auch zu Kombi-Angeboten, die zu einem geringen Aufpreis sowohl die gedruckte Fassung als auch das PDF beinhalten.

Abschließen herzlichen Dank an Ann-Bettina Schmitz für die tolle Idee zu dieser Blogparade.

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