Cherryman jagt Mister White

Die letzte von mir in diesem Jahr besuchte Veranstaltung der lit.COLOGNE war die Lesung von Jakob Arjouni mit seinem Roman „Cherryman jagt Mister White“. Bisher kannte ich Arjouni noch nicht.

Und ja, es war auch bei mir zum Teil zutreffen, was die Moderatorin einleitend sagte „…und ein Teil des Publikums ist heute Abend hier, weil sie nur noch für diese Veranstaltung karten bekommen haben“. Überhaupt die Moderatorin. Man muss auf einer Literaturveranstaltung kein Business-Kleidchen tragen, bestimmt nicht. Aber die grelle Strumpfhose mit aufgedruckten Comic fand ich persönlich, nun ja, sagen wir mal unpassend.

Aber zurück zu Jakob Arjouni der mich vom Aussehen an Daniel Brühl erinnert hat (kann auch daran liegen, dass meine „Gesichtserkennungssoftware“ nie über das Beta-Stadium hinaus gekommen ist). Er und sein Roman habe bei mir einen sehr zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Zum einen lag das an der Person Jakob Arjouni, was aber eher mein Problem ist. Ich mag solche „ich hab schon mit 18 meinen ersten Roman geschrieben Wunderkinder nicht“ – auch nicht, wenn sie längst aus dem Wunderkinderalter heraus sind. Es geht mir zu sehr in die Richtung, die Teile des deutschen Literaturbetriebs meiner Meinung nach kennzeichnen: zum Autor muss man geboren sein. Der Standpunkt, dass Schreiben vor allem ein Handwerk ist, was man lernen kann, ist mir da wesentlich sympathischer. Aber gut, das ist, wie gesagt, mein Problem und hat mit dem Roman erstmal nichts zu tun.

Die Geschichte eines 18-jährigen arbeitslosen Ostdeutschen, der Comic liebt und von einer Gruppe Möchtegern-Nazis schikaniert wird, hörte sich durchaus spannend an. Wenn man mal den Prolog (mag ich nicht) beiseite lässt, dürfte wohl einer der Streitpunkte an diesem Roman die Erzählweise sein. So erzählt Rick davon, dass seine Katze ermordet wurde:

Drei Monate zuvor hatte Robert meine Katze mit voller Wucht gegen die Wand des Bienenhauses geworfen. Einfach so.

Der Leser kennt weiss so bereits, was passiert ist. Danach setzt Arjouni an und lässt Ricki erzählen, wie die Katze umgebracht wurde. Diese Vorgehensweise zieht sich durchs Buch. Als störend dabei empfinde ich, dass durchgängig im Präteritum erzählt wird, so dass man nicht immer weiss, wann was stattgefunden hat.

Was mich jedoch am meisten irritiert hat, sind einige Element im Roman, die mir aus „Stiller“ von Max Frisch bekannt vor kamen. Auch James Larkin White sitzt wie Ricki im Gefängnis und schreibt seine Vergangenheit auf. Dieser White verbirgt sich auch im Titel des Romans von Arjouni: „Cherryman jagt Mister White“. Das kann natürlich alles nur ein Zufall sein. Oder aber eine Anspielung.

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