Frag!

Frag!

Durch Grafiti wurde die Betonwand an der Schule zwar bunter, aber nicht wärmer. Die Kälte blieb. Hätte er eine Pistole gehabt, so würde er sie jetzt durchladen. Statt dessen warf er die leere Farbdose mit voller Wucht gegen ein Fenster im ersten Stock. Das Glas hielt stand. Der sich darin spiegelnde Mond schien ihn zu verhöhnen.

Wenig später stand er auf der Brücke und blickte herunter. Definitiv zu wenig Verkehr. Sein Opa saß zu Hause im Sessel und machte sich Sorgen. In seinen Händen hatte er Haarbüschel. Nebenwirkung einer zweifehaften Therapie. Mit dem letzten Haar auf dem Kopf würde auch sein Lebenswille schwinden. Aber er hat sein Leben gelebt.

Ein Frühlingsmorgen. Grab Nummer 32 war frisch angelegt. Die Räder des Rollstuhls fraßen sich in den Kiesweg und kündigten den Besucher an.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren