Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Mit der Nostalgie ist das eine komplizierte Sache. Früher war nämlich nicht unbedingt alles automatisch besser.

Stille im Grünkohleintopf

Gestern Abend in der Küche. Ein Hauch Nostalgie wehte um die Vorbereitungen für unseren Grünkohleintopf, als über die Sonos-Box Hits aus den 1990er Jahren liefen. Damals war nicht nur die Welt in Ordnung, sondern auch der Musikgeschmack besser. Wobei ich das ehrlich gesagt nicht beurteilen kann. Erstens, weil ich nie so den Bezug zur Musik hatte wie andere. Nicht festgelegt auf eine Richtung oder einen Stil, gefiel mir das, was mir gefiel.

Zweitens, weil ich überhaupt nicht mehr auf dem Laufenden bin, was aktuell angesagt ist. Was man heute so hört? Keine Ahnung. Radio höre ich nicht, entsprechend bekomme ich darüber auch keine Charts mit. Bewusst bei Spotify oder ähnlichen Möglichkeiten rufe ich nichts auf.

Eigentlich reicht das, was ich an Musik kenne, für meine Bedürfnisse aus. Liegt auch wohl daran, dass ich Stille sehr gut aushalten kann, ja sogar genieße.

Aber darüber wollte ich nicht schreiben, sondern über Nostalgie — ohne im Internet nachzuschauen, wie diese definiert wird. Einfach das nehmen, was mir dazu selber einfällt. In der Vergangenheit verhaftet sein, ihr verklärend anzuhängen. Das wäre für mich die kürzeste Definition von Nostalgie.

Neugierig sein, offen für Veränderungen, würde dann das Gegenteil beschreiben. Aber geht auch beides?

Ist eine CD schon Nostalgie?

Eine spürbare Zerrissenheit, ein Pendeln zwischen gestern und morgen. Für mich ist es Nostalgie, wenn jemand Schallplatten von Otto kauft. Das macht man nicht aus audiophilen Gründe — die sich noch nachvollziehen ließen. Es ist einfach nur unpraktisch. Man kann auch noch analog fotografieren, ebenfalls aus nostalgischen Gründen. Ist aber aus meiner Sicht ebenfalls unpraktisch.

Bei mir in der Wohnung gibt es keinen Platz für eine Dunkelkammer. Gab es noch nie. Die digitale Entwicklung in Lightroom finde ich persönlich unglaublich spannend mit ihren Möglichkeiten. Bei analogen Filmen wüsste ich auch nicht, was ich am Ende damit machen sollte. Von allen Fotos Abzüge erstellen lassen? Und dann? Oder die Negative digitalisieren lassen, um sie doch wieder in Lightroom zu bearbeiten?

Fragen, viele Fragen. Nehmen wir noch mal die Schallplatten. Mit denen bin ich als Kind in Kontakt gekommen, zwangsläufig. Aber bereist Kassetten fand ich praktisch, bis auf die Sache mit dem Bandsalat. CDs waren für mich dann eine enorme Errungenschaft. Im Arbeitszimmer meiner Frau gibt es noch drei CD-Regale, in denen sich all unsere CDs befinden. Dabei haben wir keinen CD-Spieler mehr, nicht mal am Computer ein CD-Laufwerk. Bewahren wir die CDs aus Nostalgie auf? Vermutlich, denn an den physikalischen Objekten hängen Erinnerungen. Und so manche CD wie das Album von „The Sweets of Sin“ habe ich nicht bei Spotify gefunden.

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