Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Ihr Schrei wurde vom Kissen gedämpft. Insa brauchte noch etwas, bevor sie sich wieder fasste. Sie setze sich an die Bettkante. Wieder einer der Tage, an dem der Wunsch nach einer Wohnung für sich alleine größer wurde als das Bedürfnis nach Gemeinschaft. Aus der Küche drang kein Streit zu ihr vor. Seufzend raffte sich Insa auf. Durch Schlüsselloch konnte sie nichts erkennen. In der Küche brannte auch kein Licht mehr. Leise machte Insa ihre Zimmertür auf und spähte in den Raum. Nur die Laterne draußen auf der Straße erhellte durch das Fenster scheinend die WG-Küche spärlich.

Keine Spur von Josh und Marita. Selbst Karl glänzte durch Abwesenheit. Geschlossen Türen der beiden anderen belegten WG-Zimmer. Nur die Tür vom derzeit freien Zimmer stand auf. Insa trat in die Küche. Der Inhalt der geplatzten Papiertüte befand sich im Spülbecken. Das Geschirrtuch hing an Türgriff der geschlossenen Wohnungstür. Etwas Öl tropfte davon runter auf den Boden.

Aus dem Zimmer von Josh drang leise eine Stimme. Mit Sicherheit führte er wieder Selbstgespräche. Mit ein Mal schallte das Oster-Oratorium von Bach aus dem Zimmer von Marita. Sie studierte nicht nur evangelische Religion auf Lehramt, sondern auch noch klassische Musik. Josh riss seine Zimmertür auf, starte Insa an und hämmerte dann wie vom Teufel besessen an die Tür von Marita.

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