Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Russische Soldaten verüben Massaker in der Ukraine. Der Mord an wehrlosen Zivilisten erinnert an die Verbrechen während der Stalin-Zeit.

Wunsch und Wirklichkeit

Es gibt Bilder, die brennen sich tief in die Seele ein. Bevor ich aber auf das Massaker in Butscha komme, ein paar grundsätzliche Anmerkungen. Ich kann die Ohnmacht und Wut der Ukrainer verstehen. Auch ihr Gefühl, im Prinzip vom Rest der Welt alleine gelassen zu werden. Nachvollziehbar ist für mich auch, warum der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel mitverantwortlich macht. Es wäre ihre gescheiterte Russlandpolitik gewesen, die den Nährboden gelegt habe.

Wie gesagt, ich kann Ohnmacht, Wut und Enttäuschung verstehen. Ganz so einfach ist das mit der Mitverantwortung aber nicht. Persönlich würde ich diese nicht an einzelnen Personen festmacht. Sicher, Angela Merkel hat den Kurs der deutschen Politik 16 Jahre lang geprägt. Vielleicht sogar maßgeblich. Aber an ein neues Russland, welches sich unter Putin an den Westen annähert, daran wollten wir alle glauben. Sogar noch nach 2014, als Russland die Krim annektierte.

Bis zum erneuten Überfall auf die Ukraine in diesem Jahr hielten wir Einsicht und Vernunft bei Putin für möglich. Wir fühlten uns warm und sicher, verdrängten aber auch eine ganze Menge. Ja, es gibt eine Mitschuld. Die ist aber meiner Meinung nach eine Kollektivschuld am Massaker von uns allen in Deutschland und vielen Teilen von Europa.

Putins Massaker

Nach dem Rückzug russischer Truppen aus Gebieten in der Ukraine zeigt sich Bild des Entsetzens. Dutzende Leichen in den Straßen. Zivilisten, an den Händen gefesselt und mit einem Kopfschuss hingerichtet. Es muss ein entsetzliches Massaker, besonders auch in der ukrainischen Stadt Butscha, gewesen sein. Völkermord klingt hier bürokratisch und kann den Umfang der Gräuel kaum fassen.

Russland führt keinen Befreiungskrieg, sondern ein Vernichtungsfeldzug. Jede einzelne Leiche in Buschta geht auf das Konto von Wladimir Wladimirowitsch Putin. Selbstverständlich wurde das Massaker in Butscha von russischer Seite als ukrainische Propaganda bezeichnet und jedwede Beteiligung an den Morden bestritten. Trauriges Detail: In Deutschland gibt es genügend Menschen, die das so glauben und sich zu Putins Marionetten machen lassen.

Das Massaker wird in jedem Fall in dieser Woche zu härteren Sanktion gegen Russland führen. Der Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck plädiert zudem für uneingeschränkte Waffenlieferungen an die Ukraine. Bisher waren es vor allem die Deutschen, die auf die Bremse getreten haben.

Wir alle fürchten aber auch die weitere Eskalation. Putin spielt mit unserer Angst und wird auch weiter gehen und schauen, was noch möglich ist. Den Atomkrieg als Drohmittel gepaart mit dem Willen, den Westen gegen sich selber auszuspielen.

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