Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Auch moralisch gibt es vertretbare Grenzen der Solidarität. Notorische Impfverweigerer bedürfen daher keines besonderen Schutzes.

Dachschaden nicht nur bei Querdenkern

Schon wieder ein Corona-Thema. Eigentlich wollte ich heute über was anderes schreiben. Mit dem Blick aus dem Fenster nach draußen vielleicht über den zweiten Orkan hier in Ostfriesland. Zeynep hat uns nämlich etwas schwerer erwischt. Beim Haus gegenüber fehlen ein paar Dachziegeln. Wobei, die fehlen nicht — sie liegen lediglich zerschmettert auf dem Gehweg. Man könnte auch sagen, ein paar der Nachbarn hätten einen Dachschaden. Allerdings ließe sich so was falsch verstehen.

Falsch verstehen kann man auch Solidarität. Etwa durch Rücksichtnahme auf Menschen, die sich mit Händen und Füßen dagegen wehren. Beziehungsweise durch ihre eigene Entscheidung deutlich machen, dass sie uns einen husten.

Fast zwei Jahre befinden wir uns bedingt durch die Pandemie im Außnahmzustand. Mal mit mehr, mal mit weniger Einschränkungen. Die Fakten liegen alle auf dem Tisch. Corona kann sehr hässlich Langzeitfolgen habe, mit besonders viel Pech stirbt man daran — oder jemand anders, dessen Intensivbett man belegt und seine OP daher nicht stattfinden kann.

Hinlänglich bekannt ist auch, wie man sich schützt. Maske tragen, Hände waschen und vor allem impfen lassen. In den Köpfen der meisten Menschen ist das angekommen.

Grenzen der Solidarität

In aller Härte hätte ich bis heute trotz allem meine Solidariät nicht infrage gestellt. Dann aber stolperte ich in der Mittagspause über einen Video-Beitrag vom WDR. Eine provokante Fragestellung: Rücksichtnahme auf absichtlich ungeimpfte Ältere?

Auf der Hohen Straße im Herzen von wurden Passanten befragt. Das Paar am Ende des Beitrags finde ich ausschlaggebend für eine gewisse Haltung. Solidarität muss man sich nicht verdienen, würde ich nie behaupten. Aber man kann sie sich in jedem Fall verscherzen.

Hier sprechen auch wieder die Fakten gegen die Haltung. Der WDR schreibt, dass der größte Teil derer, die eine Impfung ablehnen, über 60 sind. Drei Millionen Menschen aus einer Risikogruppe bewusst ohne Schutz. Ganz ehrlich, so verspielt man sich die Solidarität. Ja, dann soll sie sich doch einfach anstecken und die Konsequenzen tragen.

Meiner Meinung nach gäbe es auch eine Alternative zu einer Impfpflicht. Eine Verzichtserkärung der Ungeimpften. Beim Bungee-Jumping oder einer Vollnarkose muss ich schließlich auch unterschreiben, dass ich über die Risiken und Folgen aufgeklärt wurde.

Ungeimpfte kämen nur dann in den Genuss eines Intensivbetts, wenn noch genügend frei Kapazitäten vorhanden sind und auch nur so lange, bis das Bett nicht anderweitig benötigt wird.

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