Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Medizinnobelpreis nicht willkommen

Als Auszeichnung geht der Medizinnobelpreis in diesem Jahr an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei. Eine unkluge Entscheidung.

Welcome to … Emden

Das Spiel „Welcome to…“ hat mit dem Medizinnobelpreis relativ wenig zu tun. Genauso wenig allerdings mit der Pandemie und mit Ostfriesland. Das Einzige, was einen Bezug zur neuen Heimat im Spiel schafft, es die Benennung der eigenen Stadt auf dem Spielplan in Emden.

Wie dem auch sei, gestern Abend haben meine Frau und ich auf die Schnelle drei Parteien gespielt, dank virtuellem Block in App-Form geht es flott, vor allem weil man sich am Spielende die Rechnerei spart.

Ein wirkliches nettes Spiel, wenn mal der Kopf zu voll ist für komplexere Brettspiele. Es gefällt uns nach wie vor, aber einen Sinn und Zwecke von Erweiterungen sehen wir hier nicht. Und ja, die deutsche Anleitung sorgt nach wie vor für Lachanfälle. Beim lesen musste ich gestern Abend die englische Version heranziehen, die nicht so entstellend aus dem Französischen übersetzt wurde. Wirklich krass, dass ich etwas auf Englisch besser verstehe als etwas, was in meiner Muttersprache beschrieben wurde. Aber gut, was soll man von Regeln halten, wie Formulierungen wie „nicht obligatorisch“ statt einfach „optional“ verwendet werden.

Wo wir schon beim Thema des Nichtverstehens sind. Beim Medizinnobelpreis in diesem Jahr geht es mir genauso.

Außenwirkung beim Medizinnobelpreis

Grundsätzlich erscheint es nicht verkehrt, wenn der Medizinnobelpreis für Grundlagenforschung vergeben wird. Ich möchte auch nicht behaupten, die beiden Forscher David Julius und Ardem Patapoutian hätten den Preis nicht verdient. Für mich ist es aber das falsche Jahr, in dem sie die Auszeichnung erhalten.

Mich und vermutlich viel andere Menschen auf der ganzen Welt hat in den vergangenen achtzehn Monaten vor allem ein Thema beschäftigt: Covid-19. Die Pandemie hinterließ bei uns allen Spuren. Die Entwicklung von Impfstoffen habe ich fast täglich in der Presse verfolgt. Gerade ein Impfstoff auf Basis der mRNA-Technologie dürfe wohl durchaus als innovativ bezeichnet werden können. Zu Recht wurde das in der Süddeutschen Zeitung heute als Forschung bezeichnet, die Menschenleben rettet.

Dafür gebührt auch Özlem Türeci und Ugur Sahin von Biontech. Eine Anerkennung, die ihnen in Form eines Medizinnobelpreises verweigert wurde. Man kann an dieser Stelle über große Gewinnen und auch ethische Fragen (sollte ein Impfstoff nicht Open Source sein?) diskutieren.

Fakt bleibt jedoch, dass für das Nobelkreiskomitee Corona offensichtlich kein Thema gewesen ist. Die Biontech-Gründer wird es vermutlich nicht großartig stören. Persönlich stelle ich mir aber die Frage, welche Außenwirkung der Medizinnobelpreis dann eigentlich hat. An der Lebenswirklichkeit der Menschen ist der Preis in diesem Jahr gelungen vorbeigegangen.

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