Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Bisher gibt es noch keine Äußerungen der Kanzlerkandidatin Baerbock zum Verbot der Impfpflicht. Este Aufschreie gibt es trotzdem.

Hauptsache nicht Grün

Langsam frage ich mich, ob es bei vielen Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern nicht ein Reflex ist, alles von den Grünen pauschal abzulehnen. Quasi ein grünes Tuch, bei dem der Stier einfach nach vorne stürmt. Selbstverständlich ist so ein Verhalten meilenweit von Vernunft entfernt: aber ganz ehrlich, wer vernünftig wäre, würde von sich aus maximal 130 auf der Autobahn fahren. Oder sogar auf ein Auto verzichten. Wir wollen jedoch nicht den Teufel an die Wand malen, niemand wird auch unter einer grünen Bundesregierung zum Verzehr eines Soja-Schnitzels gezwungen.

Die Abwehrreflexe in Bezug auf die Grünen sind im Prinzip über die Jahre unverändert. Pünktlich zur heißen Phase des Wahlkampfs wird ein Reizthema ausgegraben (Veggie-Day oder ähnliche). Dadurch stürzen sich alle auf die Grünen, blind für die eigentlichen Sachthemen. Argumentativ kann man die „Kritiker“ nur schwer packen. So wird etwa beim Tempolimit auf Autobahnen argumentiert, das würde die Freiheit einschränken. Oder wäre sinnfrei, weil Elektroautos ja bei egal welcher Geschwindigkeit keine CO2-Emissionen absondern (kein Scherz, sonder die Meinung von Armin Laschet).

Tempolimit schränkt also die Freiheit ein. Komisch nur, dass der größte Teil der Autofahrerinnen und Autofahrer innerorts damit aber keine Probleme hat. Wobei, stop. Die AfD will ja laut Wahlprogramm jede Form von Tempolimit auf den Prüfstand stellen. Kommen wir aber zur Impfpflicht.

Sinn einer Impfpflicht

Würde zum Beispiel BILD titeln, „Grüne wollen Impfpflicht verbieten“, gäbe es einen Strom der Entrüstung. Sofort würde sich eifrige Leserbriefschreiber und Social Media Trolle melden und darauf bestehen, dass die Impfpflicht weiter erhalten bleibt. So sind manche Menschen tatsächlich gestrickt.

Tatsächlich gibt es gegen Covid-19 in Deutschland keine Impfpflicht. Nach aktuellem Stand und Äußerungen aus der derzeitigen Bundesregierung soll sich das in Zukunft auch nicht ändern. Stattdessen appelliert man an Verstand und Gewissen. Übersetzt heisst es, man diskutiert mit der Raufasertapete über ihre künftige Farbe (alles außer Grüne, würde diese vermutlich sagen).

Persönlich bin ich etwas gespalten in Bezug auf eine Impfpflicht. Sie würde Querdenkern und Co Munition frei Haus liefern, vor allem aber wäre sie ein staatlicher Eingriff in den Körper — so könnte man es lesen. Selbstbestimmung über den eigenen Körper, das ist ein Minenfeld. Strafbarkeit von Selbstmord, Verbot von Abtreibungen — auch hier wurde in der Vergangenheit eine Grenze überschritten. Je länger ich deshalb darüber nachdenke, desto deutlicher sengt sich bei mir die Waagschale in Richtung „keine Impfpflicht„.

Stattdessen befürworte ich jedoch das, was zum Beispiel der bayrische Ministerpräsident Söder ins Spiel brachte. Etwa der Zugang zu Veranstaltungen etc. nur mit Nachweis (geimpft, genesen, getestet). Wobei dann, wenn alle ein Impfangebot erhalten habe, die Test aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Die Allgemeinheit muss nämlich nicht über Steuergelder für persönliche Entscheidungen gegen das Impfen aufkommen.

2 Kommentare

  1. Die Sache ist etwas fieser gestaltet, als man es erfassen tut. In andere Länder wird eImpfpflicht für entsprechende Berufssparten eingeführt. Völlig richtig, ist in Zusammenhang mit anderen Krankheiten genauso, mein alter Herr musste auch verschiedene Impfungen machen lassen ( Gelbfieber, Typhus usw.) wenn er mal wieder in entsprechende Länder unterwegs war.
    Das man das in D ausschließt ist eigentlich verantwortungslos. Das man es gänzlich ausschließt ist aber gewollt. Nichts leichteres, die Kosten auf den unbelehrbarer Nicht-geimpfter zu übertragen! Wenn schon die Tests nicht mehr kostenlos sein sollen, warum soll die GKK die Kosten übernehmen, wenn es zu Komplikationen kommt, die mit Impfung nicht aufgetreten wären? Ich warte schon länger auf eine Aussage in diesem Sinne.

    Übrigens mit der empfohlene Richtgeschwindigkeit von 130km/h auf Autobahnen ist faktisch eine Begrenzung da, im Falle eines nachweislich wegen hoher Geschwindigkeit verursachter Unfall die Versicherung die Kosten nicht übernehmen muss.
    Dass sind sich aber die Autofahrer nicht bewusst.

    Gerne ausgeblendet aber, die Tatsache das jeder geimpfte dennoch anstecken kann, das wieder erkrankte Geimpfte nicht unbedingt frei von schweren Verläufe sind.

    Ebenfalls unter dem Tisch gekehrt ist die Tatsache, das viele nicht zum Impfen aufgefordert wurden. Ich bin einer davon. Sogar als ich vor zwei Wochen zu meinem neuen Hausarzt ging, wurde ich weder gefragt noch wurde es erwähnt.

    Ich bin also immer noch nicht geimpft, werde mich aber auch nicht darum schlagen. Das Zeug ist mir noch zu unreif, ich warte mal ab, wie sich dann die Geimpften entwickeln (grüne Haut, neue Krebsart oder leuchten in der Nacht). Mit viel Glück kommt auch ein verbessertes Vakzin.

    1. Na ja, eine Aufforderung zum Impfen gibt es tatsächlich nicht. Das ist so was wie eine Holschuld. Man muss sich schon selber aktiv darum kümmern. Was den Impfstoff angeht, der ist sicher. (grüne Haut ist mir noch nicht aufgefallen). Zur Lektüre empfehle ich da dringend das Buch „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ von Dr. Mai Thi Nguyen-Kim.

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