Von allen guten und bösen Geistern verlassen

So was wie eine dauerhaft offene Wunde ist das Land Afghanistan. Frieden hat die Region seit Langem nicht gesehen.

Folgen des Truppenabzugs

Über Militäreinsätze lässt sich hervorragend streiten. Auch ehemalige Kriegsdienstverweigerer gehören mitunter zu Befürworter von Truppeneinsätzen um Ausland. Einer davon schreibt gerade diese Zeilen. Lange Zeit hielt ich es nicht für möglich, überhaupt den Einsatz von Soldaten in Erwägung zu ziehen. Mein „Erweckungserlebnis“ hatte ich März 2010 bei der Veranstaltung „Grüner Salon“ der Bielefelder Grünen in der Ravensberger Spinnerei. Zum ersten Mal wurde mir vor Augen geführt, was die internationalen Truppen vor Ort leisten und wie befreiend es für weite Teile der afghanischen Bevölkerung ist. Unter anderem erzählte jemand etwas über die Situation der Frauen in Afghanistan und wie diese sich verbessert hat.

Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt.
Peter Struck

Vor diesem Hintergrund und noch aus einer ganzen Reihen weiterer Gründe sehe ich den Truppenabzug extrem kritisch. Für mich fühl es sich so an, als ob wir Afghanistan wieder sich selber überlassen. Es ist absehbar, dass sich die Bedingungen erheblich verschlechtern werden und mittelfristig wieder die Taliban die Oberhand gewinnen. Die ersten Opfer werden die diejenigen Afghanen sein, die zum Beispiel den deutschen Soldaten auf die eine oder andere Weise geholfen oder direkt für die internationalen Truppen gearbeitet haben.

Leid in Afghanistan

Über den Abzug der deutschen Truppen wurde schon lange diskutiert. So wollte etwa 2009 der damalige SPD-Chef Siegmar Gabriel die Parteimitglieder dazu befragen lassen. Jetzt ziehen die Truppen tatsächlich ab.
Die Süddeutsche Zeitung schrieb heute zum Thema Afghanistan: „Der Westen geht, der Krieg bleibt“. Genau so sieht es aus. Das Leid der Menschen in dem seit Jahrzehnten gebeutelten Land wird wieder zunehmen. Auch die deutsche Bundesregierung muss sich die Frage gefallen lassen, was in Afghanistan erreicht und dauerhaft Bestand haben wird.

Die Antwort ist sie auch den Angehörigen der 15 deutschen Soldaten schuldig, die im Einsatz ihr Leben ließen.

Ob der Krieg tatsächlich militärisch zu gewinnen gewesen wäre oder nicht, ist nicht relevant. Viel wichtiger wäre die Suche nach einer Möglichkeit gewesen, der Region dauerhaft Stabilität und Frieden zu schenken. Wenn der Preis dafür eine permanenten Stationierung internationaler Truppen ist, müssen wir uns die selber die Frage stellen, ob wir ihn mit allen Konsequenzen bereit sind zu zahlen. Verneinen wir das, geben wir Afghanistan auf und besiegeln das Schicksal der Menschen dort.

Es wäre zynisch, dann auch noch für Flüchtlinge aus dem Land die Grenzen dichtzumachen. Ihnen Asyl zu gewähren, ist jetzt das mindestens, was wir tun sollten.

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