Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Messaging-Dienste wie WhatsApp und Telegram sind wie frei verfügbare Waffen. Schaden richteten sie nur bei Verwendung an.

Äpfel mit Waffen

Zugegeben, der einleitende Vergleich ist willkürlich aus der Luft gegriffen. Immerhin aber extrem reißerisch. Bei allen Messaging-Dienst sollen man die Kirche im Dorf lassen, dennoch aber kritisch hinterfragen. In nur ganz seltenen Fällen ist etwas wirklich kostenlos. Meistens bezahlt man selber oder irgendjemand anders dafür. Hunderte Jahre vor Erfindung von Social Media und Internet kannte man den sprichwörtlichen Pakt mit dem Teufel. Ein besseres Leben im Diesseits gegen den Tausch seiner unsterblichen Seele. Das nahm in Sagen, Erzählungen und Märchen selten ein gutes Ende.

Der wesentliche Unterschied zu heute ist, dass die allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht mehr mit Blut unterschrieben werden müssen. Ein Klick auf „bestätigen“ reicht völlig aus. Kommen wir aber zurück zu den Messaging-Diensten. Persönlich habe ich ein extrem reduziertes Nutzungsverhalten. Weniger aufgrund von datenschutzrechtlichen Bedenken, sondern weil mir die allgemeine Geschwätzigkeit gehörig auf die Nerven fällt. Immer und überall erreichbar zu sein ist kein Luxus, sondern das genau Gegenteil davon. Wer was von mir will, ruft an. Oder schreibt mir am besten eine E-Mail.

WhatsApp ist auf meinem iPhone schon vor lange Zeit deinstalliert, allerdings nutze ich Telegram. Damit trifft mich der Kommentar von Philipp Bovermann in der Süddeutschen Zeitung.

Querdenker lieben Telegram

Machen wir uns nichts vor, nur wer die letzten Monate hinter Mond gelebt hat, hat Telegram für eine gute Alternative zu WhatsApp. Natürlich gehört WhatsApp zu Facebook, aber hey, immerhin ist das ein US-amerikanisches Unternehmen. Dagegen gehört Telegram dem russischen Milliardär Pawel Durow, Sitz des Unternehmens ist Dubai. WhatsApp ist auf meinem iPhone schon vor lange Zeit deinstalliert, allerdings nutze ich Telegram. Damit trifft mich der Kommentar von Philipp Bovermann in der Süddeutschen Zeitung.

Wie Bovermann schreibt, ist Durow kein Fan von staatlicher Kontrolle. Das führt zu einem Wildwuchs bei Telegram, der sehr hässliche Seiten hat. Was für die einen noch Meinungsfreiheit ist, erfüllt anderswo schon Straftatbestände — auch in Deutschland. Reichsbürger, Querdenker und Nazis lieben Telegram. Mir gibt das ein sehr mulmiges Gefühl, denn auch ich nutze den Messaging-Dienst. Allerdings nur, weil ich noch keine richtige Alternative gefunden habe.

Für mich ist Telegram nicht zum chatten, sondern eine coole Möglichkeit, im Rahmen von IoT-Projekten (Internet of Things) via Bot Mitteilungen von einem Mikrocontroller an mein Smartphone zu senden. Oder darüber Mikrocontroller zu steuern. Das geht extrem einfach im Vergleich zu anderen Alternativen. Für das Schülerprojekt, an dem ich gerade arbeite, wollte ich daher auch den Messaging-Dienst verwenden. Mehr denn je habe ich jetzt aber Bauchschmerzen damit. Die nahe liegende Alternative MQTT ist deutlich komplexer in der Konfiguration — immerhin aber im Ergebnis dann auch wirklich sicher, wenn man es will.

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