Von allen guten und bösen Geistern verlassen

An der Art seiner Rückfahrkarte erkennt man den Charakter eines Menschen. Vor allem Mutlose benötigen eine.

Hin und nicht zurück

Mit Rückfahrkarte oder nur einfach Fahrt. Die Frage stellt sich nicht nur am Fahrkartenschalter bei der Bahn. Oft würde man im Urlaub auf eine Rückfahrkarte verzichten und für im Dortbleiben, wo man sich wohler fühlt.

Hat man seine Rückfahrt in der Tasche, erinnere das in jedem Moment daran, dass der Urlaub spätestens zur gebuchten Rückfahrt endgültig zu Ende sein wird. Die vielen Male auf Borkum waren immer mit dem Gedanken verbunden, wieder zurück nach Köln zu müssen. Der Eindruck des Zwangs wurde mit jedem Mal größer.

Schließlich führte das zum bekannten Ergebnis. Meine Frau und ich nahmen unser Schicksal in die Hand. Das letzte Mal, als meine Frau die Fahrt von Köln Richtung Ostfriesland antrat, hatte sie nur ein Ticket für die einfache Fahrt. Bei mir mit der bahn.card war es egal. Dennoch, auch bei mir war es dann im August eine einfache Fahrt.

Urlaub kenne ich aber auch als etwas, was mit Ängsten verbunden sein kann. Wenn man aufgrund von Heimweh lieber früher als später wieder nach Hause will und dann überglücklich ist, wenn einen die Eltern aus der Kinderfreizeit früher abholen.

Politiker mit Rückfahrkarte

Um Ängste geht es auch im Fall von Armin Laschet. Der Kanzlerkandidat der Union, Parteivorsitzende der CDU und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen möchte Letzteres doch lieber bleiben, wenn es mit der Kanzlerschaft im kommenden Herbst doch nicht so klappt — was eigentlich auch zu erwarten ist.

Tue es oder tue es nicht. Es gibt kein Versuchen.
Yoda

Auswanderer, Firmengründer, Entdecker — auch Politiker. Es gibt genügend Menschen, die alles auf eine Karte setzen. Für die scheitern keine Option ist, die fest an sich selber glauben. Und wenn sie dann sich scheitern, wieder aufstehen und ihr Krönchen richten.

Wer ein Wagnis mit einer Rückfahrkarte in der Tasche angeht, dem fehlt nicht nur der Mut. Sondern auch der Glaube am eigenen Erfolg. So wie Armin Laschet, der den NRW-Landesparteitag auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschieben will. Genau auf diesem Landesparteitag würde sein Verzicht auf den Posten des Ministerpräsidenten von NRW besiegelt und ein Nachfolger bestimmt werden.

Aus menschlicher Sicht mag dieses Manöver verständlich sein, ein politisch kluger Schachzug ist es jedoch nicht. Mit so einer Rückfahrkarte kann man die Menschen im Wahlkampf nicht ernsthaft von seinen Stärken überzeugen. Herr Laschet, entweder ganz Kanzlerkandidat mit allen Konsequenzen oder lieber bleiben lassen.

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