Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die Bundesnotbremse macht einen simplen Termin beim Friseur zu einem Hindernislauf. Ohne negative Schnelltest bleiben die Haare ungeschnitten.

Lokal besser informiert

Der Bundestag hat heute mehrheitlich eine Erleichterung für Geimpfte beschlossen. Persönlich sehe ich die Sache mit gemischten Gefühlen, denn ob ich geimpft werde, ist nicht allein meine Entscheidung. Nach wie vor muss ich warten, bis ich an der Reihe bin. Möglicherweise geht es etwas schneller, wenn sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn durchsetzt. Ginge es nach ihm, würde umgehend AstraZeneca als Impfstoff für alle freigeben werden. Eine Impfung ist dann unabhängig von der Priorisierung nach Alter, Vorerkrankung oder Berufsgruppe.

Allerdings hängt die geplante Freigabe von AstraZeneca wohl auch damit zusammen, dass es erheblich Vorbehalte gegen den Impfstoff gibt. In Einzelfällen kann es bei ihm zu einer Hirnthrombose kommen. Geimpft, aber tot — keine annehme Vorstellung. Für mich gilt es dann abzuwägen. Die Wahrscheinlichkeit einer Covid-19 Erkrankung mit erheblichen Folgen halte ich für deutlich größer als eine Hirnthrombose.

Aktuell gibt es aber dringendere Probleme. Morgen habe ich einen Friseur Termin, was unter normalen Umständen keiner Erwähnung wert wäre. Aber was ist schon normal in einer Pandemie? Ohne die Emder Zeitung heute Morgen gelesen zu haben, wäre ich ahnungslos morgen nach Feierabend zum Termin gefahren. Nur um dann mit gleicher Haarlänge wider nach Hause zu kommen. Ohne die Lokalzeitung wäre ich nicht an die aktuelle Lage auch hier in Emden erinnert worden.

Ohne Test kein Termin

„Wer schön sein will, muss sich testen lassen“ titelte heute die Emder Zeitung. Schön ist natürlich immer relativ, in meinem Fall geht es lediglich um einen simplen Haarschnitt. Einen Termin dafür hatte ich bereits vor vier Wochen vereinbart. Vier Wochen, das ist innerhalb einer Pandemie eine lange Zeit. Da kann viel passieren. Zum Beispiel, dass der Landkreis, in dem man lebt, zum Hochrisikogebiet erklärt wird und die „Bundesnotbremse“ greift. Nach der darf man zwar wie zuvor mit FSP2-Maske zum Friseur, aber nur, wenn man eine Testbescheinigung vorlegt, die nicht älter als 24 Stunden sein darf.

Ein Selbsttest gilt nicht, man muss sich in einem der zugelassenen Zentren testen lassen. Beim Frühstück überkam mich ein leichter Panikanfall. Mal eben testen lassen geht nämlich nicht. Man brauch dafür natürlich einen Termin. Von heute auf morgen nicht so einfach. Beim Corona-Schnelltest-Zentrum des DRK in der Teutonenstraße gab es für den kostenlosen Bürgertest nach Bundesverordnung keinen freien Termin. Wohl aber, wenn ich mich für den Schnelltest für Selbstzahler (25 €)entschieden hätte. Damit wäre der morgige Friseurbesuch der teuerste in meinem ganzen bisherigen Leben geworden.

Zu meinem Glück bietet die Apotheke direkt gegenüber in Sichtweise meines Arbeitszimmers ebenfalls kostenlose Bürgertests an. Morgen um 9:45 Uhr darf ich antreten, um mir dann am Nachmittag die Haare schneiden lassen. Für Freunde flacher Witze: Das Ganze ist eine haarige Angelegenheit.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.