Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die nächste Bundestagswahl wir jenseits der Mitte gewonnen. Zumindest wenn alle Arbeiter ihre Stimme abgeben.

Politik sucht Klientel

Diskussion am Frühstückstisch zwischen meiner Frau und mir sind eine wichtige Inspirationsquelle für den Tag. Manchmal sogar auch für Blogeinträge wie heute. Wir sprachen beim Kaffee über die Grünen und den derzeit häufig wiederholten Vorwurf, sie seinen eine Partei für Besserverdienenden. Beziehungsweise, sie seien keine Partei für Arbeiter. Was besonders schmerzt, wenn dieser Vorwurf aus der SPD kommt. Einfach deshalb, weil SPD schon länge selber nicht mehr die Partei der Arbeit ist, wie etwa vor über vier Jahren die Berliner Morgenpost schrieb.

Meiner Wahrnehmung zu Folge ist die SPD zu einer Mittelstandspartei geworden, obwohl sie nach wie vor Arbeiter im Blick hat. Nur hat sich der Status ihres Klientels gewandelt. Wir reden in dem Zusammenhang nicht mehr von Proletariat, sondern von gut bezahlten Facharbeitern, welche in weiten Teilen hervorragend gewerkschaftlich organisiert sind. Eine Fachkraft bei VW hier in Emden und auch noch Mitglied in der IG Metall — da kann man schon mal mit einer gewissen Portion Neid hinauf blicken in Bezug auf Einkommen und Altersabsicherung.

Um dieses Klientel buhlen die Parteien im Bundestag mindestens genau so wie um Akademiker und andere. Das Problem ist jedoch, dass andere Arbeitnehmer nach wie vor unter den Tisch fallen. Kein spezifisches Problem der Grünen, sondern aller im Bundestag vertretenen Parteien.

Prekäre Arbeiter suchen ein Verhältnis

Aus meiner Sicht fehlt eine glaubwürdige Vertretung für Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich mit deutlich weniger Einkommen als das von Facharbeitern zufriedengeben müssen. Menschen, deren Einkommen keine großen Sprünge ermöglicht, vielleicht sogar erfordert, mehr als nur einer Tätigkeit nachzugehen, um die Familie über die Runde zu bringen.

Flaschenpost, Lieferando, Hermes — um nur einen Teil der Firmen zu nennen, die Gerde in den letzten Monaten Gewinnen durch ein höheres Bestellaufkommen erwirtschaften konnten. Gewinne, die nicht nach unten zu den Arbeitnehmern weitergereicht wurden. Ganz im Gegenteil, ich habe hier den Eindruck, die Gewinnen würden auf Kosten der Arbeiter erzielt. Hier und da erheben sich ein paar Stimmen, die die Verhältnisse kritisieren. Aber findet sich etwas dazu in den Parteiprogrammen wieder? Eine gute Frage.

Eine andere ist die, ob die Abgehängten von den Parteien bewusst ignoriert werden, weil sie ehedem nicht wählen gehen. Eine erschreckende Vorstellung. Keine Stimme, keine Lobby, keine Veränderung. Durchaus berechtigt im Übrigen ist die Frage, welcher der Parteien sich am besten einsetzt für diejenigen, die gar keine Arbeit haben.

Selbst wenn man nach links und rechts schaut, auch dort findet sich nichts, was ernsthaft die Interessen der Abgehängten vertritt. Insbesondere nicht beim braunen Gesocks, obwohl das den Eindruck vermitteln möchte. Aber das war ja schon immer so, große Versprechungen und dann Blut saufen.

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