Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die Zeit vergeht wie im Fluge ist nicht nur einfach so ein Spruch. Mittlerweile sind drei Monate in Ostfriesland vergangen.

Weder Höhen noch Tiefen

Seit nunmehr drei Monaten lebe ich jetzt in Emden / Ostfriesland. Die Tage und Wochen rasten nur so an mir vorbei. Ein Wimpernschlag, schon wieder eine Woche um. Gerade in der Anfangszeit gab es eine Menge zu tun, nicht nur das Auspacken der Umzugskartons. Meine Frau und ich kämpften auch mit den Widrigkeiten des Hauses, dem man die 30 Jahren leider doch anmerkt. Es gibt einen ziemlichen Renovierungsstau, über den wir auf jeden Fall noch mal mit dem Vermieter reden müssen.

Die neue Küche bezahlen wir ja bereits, auch wenn dank einer Corona-bedingten Terminverschiebung erst Anfang Januar kommt. Wobei, ganz zu Unrecht ist das uns nicht. Kurz vor Weihnachten noch eine neue Küche war schon ziemlich auf Kante geplant. Vor allem zwei Wochen ohne Küche, wenn alle Restaurants derzeit geschlossen sind.

Sowohl Nachbarschaft als auch ganz viele Emder sind ein ganz anderer Menschenschlag als in Köln — zum Glück. Hier wird man auch von Unbekannten gegrüßt. In Köln eher selten, gehört es hier einfach zum guten Ton.

Die nähere Umgebung ist meiner Meinung nach ein echter Mehrwert, wie wir heute bei einer Radtour erfahren konnten.

Emden braucht mehr als drei Monate

Eigentlich müsste ich nach drei Monaten schon einiges von Emden kennen, möglicherweise sogar ein paar Emder näher kennengelernt haben. Genau in diesem Punkt treffen mich die Kontaktbeschränkungen und der Lockdown ziemlich hart. Corona sorgt dafür, dass ich mich am neuen Lebensmittelpunkt doch noch ziemlich einsam fühle.

Während meine Frau über die Schule (berufsbedingt) eine Menge neuer Kontakte hat, fehlen mir im Home Office die Möglichkeiten. Auch wenn man jederzeit raus in die Natur kann, fiel mir in den bisherigen drei Monaten immer mal wieder die Decke auf den Kopf. Man wird dünnhäutig und Kleinigkeiten können einen schon runter ziehen. Irgendwie hatte ich mir diesen Teil vom Auswandern nach Ostfriesland doch anders vorgestellt.

Auf der anderen Seite wüsste ich nicht, wie ich den zweiten Lockdown in Köln hätte überstehen sollen. Hier im Haus haben wir zu zweit einfach den Luxus von sechs Zimmern auf 100 qm. Ein (Arbeits-)Zimmer für sich allein, das ist bei unsern beiden Berufen verdammt wichtig.

Zurück aber zur neuen Heimat. Vieles über Emden erfahre aus der Zeitung oder über Emden.tv. Veranstaltungen, Treffen, mal schick essen gehen — alles leider derzeit nicht möglich. Sich an Regeln zu halten kann auch eine Belastung sein, aber es führt kein Weg an den Beschränkungen vorbei. Vielleicht sieht es in drei Monaten ja besser aus, möglicherweise gibt es im Frühjahr dann mehr als einen echten Hoffnungsschimmer.

2 Kommentare

  1. Du wirst das auch durchstehen, da bin ich überzeugt. Und wenn es wieder möglich ist, auch schnell neue Leute kennen lernen!

    Dieses Grüßen neide ich ja sogar ein wenig, das ist auch ein Grund, warum ich auch so gerne in Österreich wandere…

    Und die Hausgröße – #hach!

    Pass auf Dich auf, mein Lieber. Und irgendwann komme ich (wir) euch besuchen, wenn ich darf und es mal wieder auf eine der Inseln geht…! Und sag Grüße ;)

    (btw: Auch wenn ich sonst nie kommentiere, lese ich doch jeden „normalen“ Beitrag, wie es euch so ergeht!

    1. Danke! Österreich ist ja jetzt sehr weit weg von uns — und nach wie vor immer noch etwas traumatisch (erzähl ich dann mal bei einem Bier). Besuch ist nach dem ganzen C-Mist jederzeit willkommen!

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.