Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Ruchlose Vermieter sind keine Besonderheit von Nordrhein-Westfalen. Sozialer Wohnungsbau könnte ihnen Paroli bieten.

Abzocken mit Sozialmiete

Heute Morgen gab es wie seit einigen Wochen zwei Zeitungen zum Frühstück. Die Emder Zeitung überfliege ich in der Regel lediglich, sie ist mir aber für lokale Informationen eine wichtige Ergänzung zur Süddeutschen Zeitung. Zu der kam ich aber nicht, denn ein Thema in der Emder Zeitung fesselte mich. Auf der Titelseite hieß es „Viele Emder werden Opfer von mieser Mietabzocke“. Das Ergebnis einer ausgiebigen Recherche fand sich dann auf Seite vier unter der Überschrift „Das miese Geschäft mit fiesen Wohnungen“ (klingt so ein wenig nach NDR markt…).

Es ist kaum zu fassen, wie mit Armut und Verzweiflung andere ein gutes Geschäft gemacht wird. Das Prinzip ist nicht nur in Emden bekannt. Immobilien in einem bedauernswerten Zustand werden zu Höchstpreisen vermietet. Im Normalfall würde sich dafür auch auf einem heiß umkämpften Mietmarkt wie in Köln nur schwer jemand finden. Der ganz legale Trick ist in diesem Fall recht simple. Zielgruppe sind Einkommensschwache (den Begriff sozial Schwache halte ich für ziemlich falsch, auch wenn er immer wieder verwendet wird), in Not geratene Menschen und diejenigen, die auf dem normalen Mietmarkt keine Chance haben. Für diese Zielgruppe zahlt die öffentliche Hand. Die Miete orientiert sich dabei an dem, was maximal in der Region etwa von der Stadt Emden bezahlt wird.

Sozialer Wohnungsbau als Steuerungsinstrument

Je prekäre die Situation auf dem Markt für sozialen Wohnungsbau aussieht, desto lukrativer sind die Möglichkeiten, mit Schrott-Wohnungen ordentlich Kasse zu machen. Aktuell ist der auch hier in Ostfriesland der gesamte Wohnungsmarkt ziemlich angespannt. Das wirkt sich erst recht aus auf diejenigen, die sich zur regulären Bedingungen keine Wohnung leisten können.

Auf die Zustände in den Wohnungen und dem Wohnumfeld möchte ich hier nicht im Einzelnen eingehen — der Artikel Lars Möller in der Emder Zeitung ist hier wirklich lesenswert und gibt gute Einblicke. Mich persönlich beschäftigt in dem Zusammenhang mal wieder das Thema sozialer Wohnungsbau. Meiner Meinung nach ist er die effektivste Möglichkeit, solchen Vermieter mit ihrem Geschäftsmodell das Wasser abzugraben.

Benötigt wird mehr Wohnraum in öffentlicher Hand und vor allem Wohnungen für Menschen, die sich eine Wohnung zu marktüblichen Preisen einfach nicht leisten können. Sozialer Wohnungsbau ist etwas, was die Stadt angehen und steuern kann — auch in Emden. Gebaut werden aber eher Luxusimmobilien, die sich bei der Miethöhe an Kölner Verhältnisse orientieren. Ein gutes Beispiel dafür sind die Wohnungen am Neuen Delft oder das Bauprojekt in der ehemaligen Karl-von-Müller-Kaserne. Die Fehler werden sich beim Neubau auf dem ehemaligen Ültje-Gelände vermutlich genau so wiederholen wie beim Speicher60. Alles Projekte, die sich meiner Ansicht nach an Besserverdiener richten.

Wünschenswerte Kurkorrektur

Die Stärken einer Gesellschaft, einer Stadt zeigen sich darin, wie mit den Schwachen umgegangen wird. Schiebt man sie in Wohngetthos aber oder mietet Wohnungen an, die kein städtischer Angestellter vorher mal überprüft hat — so was ist beschämend.

Auch in Emden muss dringend hinterfragt werden, was wo neu gebaut werden soll. Sozialer Wohnungsbau sollte in jedem Fall mehr Gewicht bekommen als bisher.

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