Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Zu den Neuheiten von Kosmos gehört in diesem Jahr die Umsetzung des Computerspiels Anno 1800 als Brettspiel. Möglicherweise ein Geheimtipp.

Umsetzung von Computerspielen

Der Film als Buch, das Buch zum Computerspiel (Mass Effect, Warcraft etc.) — alles schon mal da gewesen. Natürlich auch Brettspiele zu beliebten Computerspielen. Dabei stelle ich mir häufiger die Frage nach der Zielgruppe. Starcraft als Brettspiel braucht doch wirklich niemand — gebraucht erzielt das Spiel mittlerweile recht ordentlich Preise.

Als Kosmos im vergangenen Jahr Minecraft als Brettspiel herausbrachte, bewegte mich das nur zu einem Kopfschütteln. Minecraft mag ich recht gerne und krame es immer wieder hervor. Die Umsetzung überzeugte mich nicht, sie wirkte auf mich wie typische Lizenzware.

Entsprechend skeptisch war ich nach der Ankündigung, dieses Jahr Anno 1800 als Brettspiel herauszubringen. Da kenne ich nicht mal die Vorlage, da es das Spiel für keine meiner Konsolen gibt. Allerdings ließ der Name des Autors, den Kosmos verpflichtete, aufhorchen. Martin Wallace ist ein bekannter Autor mit ziemlich guten Spielen.

In einem Interview sagte er im Übrigen, Anno 1800 auch noch nicht auf dem PC gespielt zu haben. Das, was er für die Entwicklung des Brettspiels an Wissen aus dem Spiel benötigte, ließ er sich erzählen. Herausgekommen ist ein Produkt, welches im ernsten Moment ernüchtert.

Abwechslungsreiches Anno 1800

Ernüchtert hat mich bei Anno 1800 ganz erheblich das Spielmaterial. Darüber schrieb ich bereits Anfang des Monats. Auch darüber, warum ich das Spiel auf jeden Fall mit einem Overall ergänzte. Nicht nur der Aufbau geht dadurch schneller von der Hand, sondern lästiges Verrutschen der Ausbauplättchen wird damit verhindert. Wenn man schon mal den 3-D-Drucker anhat, lässt man sich dann auch gleich noch Schalen für die Holzklötze fertigen. Im Endergebnis bekommt man ein ehrlich aufgewertetes Spiel.

Stellt sich nur die Frage, ob sich das auch bei Anno 1800 wirklich lohnt oder ob das Spiel eine Eintagsfliege ist. Bemängelt wurde ja zum Teil die fehlende Abwechslung oder aber der Umstand, dass es sich mit zwei Spielern nicht so gut spielt wie mit mehren — wohl deshalb, weil jedes Ausbauplättchen zweimal vorhanden ist und daher keine Konkurrenz bei zwei Spielern entsteht.

In beiden Punkten muss ich entschieden widersprechen. Meine Frau und ich haben mittlerweile zu zweit sechs Partien absolviert. Keine davon glich einer anderen. Natürlich kann jeder vor sich hinbauen. Wäre aber wenig klug, da man durch Handel mit dem Mitspieler schneller an benötigte Waren kommt. Klar erhält dieser ein Gold aus dem Vorrat, der Vorteil, einen ganzen Spielzug gewonnen zu haben, wiegt das jedoch mehr als auf.

Die 20 verschiedenen Auftragskarten, von denen jeweils fünf in einer Partei verwendet werden, haben es in sich. Sie verändert zum Teil das Spielverhalten erheblich. Wer sich nicht darauf einlässt, kommt schnell ins Hintertreffen. Karten wie „Der Redakteur“ lassen einen Handkarten entsorgen, während der „Pyrphorier“ am Ende für jede Karte auf der Hand Minuspunkte ergibt. Durch „Bente Jorgensen“ wird der Ausbau der eigenen Heimatinsel begrenzt, denn es bekommen nur diejenigen 18 zusätzliche Punkte, die maximal 1 Akte-Welt-Insel erschlossen haben.

Erstes Fazit

Anno 1800 machte es einem leicht, dass Spiel in jeder Hinsicht zu unterschätzen. Unter der Haube steckt ein pfiffiger Mechanismus, der auch zu zweit für spannende Duelle sorgen kann. Wer nur das eigene Tableau im Blick behält, verdient seine Niederlage zu Recht.

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