Von allen guten und bösen Geistern verlassen

In letzter Zeit wird der Begriff quer deutlich überstrapaziert. In einigen Fällen sollte man sich an klassische Verwendungen erinnern.

Trump klagt gegen Ergebnis der Querdenker Demo in Leipzig

Sofern ich noch einen wöchentlichen Podcast machen würde, wäre die Zwischenüberschrift ideal für eine neue Folge. Das Projekt liegt allerdings schon Ewigkeiten auf Eis — möglicherweise taue ich das mal irgendwann auf. Vielleicht als Podcast zu Brettspielen (statt der Rezensionsseite), aber vermutlich würde sich das eh niemand anhören.

Wie dem auch sei, es soll ja nicht um einen sentimentalen Rückblick, sondern um einen möglicherweise senilen alten Mann gehen. Genau, Donald Trump, der hoffentlich scheidende US-Präsident. Zum Frühstück hing mir noch der Gedanke quer, er würde möglicherweise doch noch durchkommen mit seinen Klagen gegen das Wahlergebnis. Wenn aber Menschen wie der Ex-Präsident George Bush Joe Biden zu seinem Sieg gratulieren, dann scheint es wohl doch eine gewisse Sicherheit zu geben. Man sollte in diesem Fall jedoch berücksichtigen, wie wenig Familie Bush Donald Trump zugeneigt ist.

Jedenfalls, im Laufe des Vormittags wurde mir dann klar, warum Trump sich voller Verzweiflung an sein Amt klammert. Vermutlich würde das viele in seiner Situation machen. Antje Passenheim schreibt für die Tagesschau, was den Trump nach seiner Zeit im Weißen Haus möglicherweise erwarte. Gegen ihn gibt es zahlreiche Vorwürfe, wie etwa sexueller Missbrauch, Betrug, Steuerhinterziehung — „Vom Weißen Haus direkt ins Gefängnis?“, so die Frage von Passenheim. Das kann man sich richtig gut vorstellen. Trump wird in Handschellen aus dem Weißen Haus gezerrt.

Etwas läuft quer im Staate

„Etwas ist faul im Staate Dänemarks“ — eine Feststellung aus Shakespeares Hamlet, die sich gut übertragen lässt. Zum Beispiel auf die deutsche Stadt Leipzig, denn da war am Wochenende eine Menge faul. Wenn 10.000 Menschen in Leipzig dicht gedrängt und ohne Mund-Nasen-Bedeckung gegen die Corona-Maßnahmen protestieren, dann stimmt etwas gehörig nicht. Die sogenannte „Querdenken“-Demo ist grundsätzlich falsch. Allein schon aus sprachlicher Hinsicht. Die selbst ernannten Querdenker sind in Wirklichkeit nämlich Quer -ulanten und Quer -treiber. Mit „denken“ haben ihre Ansichten und ihr Handeln nichts zu tun.

Sie verhalten sich quer zum demokratischen Konsens unter Ausnutzung der Demonstrationsfreiheit. Angereiste Rechtsextreme, Hooligans und eine überforderte Polizei, die sich Angriffen mit Flaschen und Feuerwerkskörpern ausgesetzt sah. Dazu dann noch Pressevertreter, die durch den Mob zum Teil verfolgt und zusammengeschlagen wurde.

Es gibt ein passendes Wort für die Vorfälle in Leipzig: inakzeptabel.

Wer die Freiheit auf diese Weise missbraucht, hat sich nicht verdient. Ode mit anderen Worten, es ist hier eine strafrechtliche Aufarbeitung der Vorfälle erforderlich. Politisches Versagen im Vorfeld sollte in jedem Fall zu Konsequenzen führen. In der Form hätte die Demonstration weder genehmigt noch stattfinden dürfen.

Es gibt keine „Corona-Diktatur“, sondern nur eine Reihe von Vollidioten, die unsere Gesundheit und Demokratie aufs Spiel setzen.

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