Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Offensichtlich gibt es seit gestern offiziell einen Impfstoff gegen Covid-19. Ein Hoffnungsschimmer in dunkler Zeit.

Vorsichtig Optimistisch

Die deutsche Firma Biontech hat laut eigenen Bekunden zusammen mit ihrem US-amerikanischen Partner Pfizer laut eigener Aussage einen enormen Erfolg bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19 errungen. Presseberichten zu Folge soll er entwickelt Impfstoff das Risiko einer Erkrankung um bis zu 90 Prozent senken. Wer sich jetzt voller Erleichterung seine Mund-Nasen-Bedeckung vom Gesicht reißt, handelt jedoch voreilig.

Zunächst muss die Wirksamkeit des Impfstoffes durch Dritte bestätigt werden. Dann erfolgte die schrittweise Impfung der Bevölkerung. Dies wird nicht heute, auch nicht morgen und garantiert nicht mehr in diesem Jahr geschehen. Sofern der Impfstoff sich tatsächlich als wirksam erweist, muss er erst mal in großer Stückzahl zur Verfügung stehen. Das wird Monate dauern. In der Zwischenzeit wird eine sukzessive Impfung der Bevölkerung erfolgen.

Dabei wird nicht der zuerst geimpft, der am lautesten schreit, sondern an dieser Stelle tritt die Ethik auf den Plan. Wenn nicht alle geimpft werden können, muss eine Auswahl erfolgen. Unter den Tisch fallen lassen wir an dieser Stelle im Übrigen diejenigen, die eine Impfung vehement ablehnen. Wie mit denen zu verfahren ist, ist eine völlig andere Fragestellung.

Wer erhält den Impfstoff?

Mit der Fragestellung, wer zuerst den Impfstoff erhalten sollte, setz sich Dr. Christina Berndt in der Süddeutschen Zeitung auseinander (Detail am Rande: Frau Berndt wurde Emden geboren). Erklärtes Ziel sollte ihrer Meinung sein, schwere Krankheitsverläufe, soweit es möglich ist, zu verhindern. Mit anderen Worten bedeutet das, Menschen aus der sogenannten Risikogruppe mit Vorrang zu impfen. Danach Berufsgruppen wie „Ärztinnen und Ärzte, Pfleger in Krankenhäusern und Heimen, Lehrerinnen und Erzieher“. Berndt wirbt dafür, für diese Vorgehensweise einen „Impfkonsens“ in der Bevölkerung anzustreben.

Dieser Sichtweise kann ich mich im Grunde nur anschließen. Allerdings ruft es bei mir leichte Bauchschmerzen hervor, wer zuerst geimpft werden soll. Aus ethischer Sicht ist das völlig korrekt. Medizinisch allerdings stellt sich mir als Laue die Frage, inwieweit der Impfstoff bisher explizit an Risikopatienten, als auch an alten Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen (ausreichend) getestete wurde. Sollte der Impfstoff an dieser Steller versagen oder aber erst recht zu einem schweren Verlauf führen, wäre das ein GAU.

Die Reihenfolge stelle ich nicht in Frage, jedoch den Zeitpunkt. Möglicherweise wären ein paar Test mehr besser als voreilig einen Impfstoff auf den Markt zu bringen, nur weil die Sehnsucht danach so groß ist.

Fatal wäre zudem auch, wenn es unentdeckte Spätfolgen (was in der Kürze der Zeit gut vorstellbar ist) geben wird, die dann ausgerechnet Ärztinnen und Pfleger zuerst erwischt — als genau das Personal, auf welches wir bei einer Pandemie am meisten angewiesen sind.

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