Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Eine Frage als Überschrift mutet seltsam an. Dem neuen US-Präsident Joe Biden steht jedoch sein Vorgänger Trump im Weg.

Golf statt Niederlage

Während Politiker aller Welt Joe Biden zur Wahl als US-Präsident gratulieren, spielt sein Vorgänger Golf und denk nicht an Rücktritt. Nach wie vor gibt er sich kämpferisch und spricht von einem gestohlenen Sieg. Ist Biden denn nun Präsident oder nicht? Jein — würde ich als Laie sagen. Erst mal ist es nach US-amerikanischen Wahlrecht so, dass die Wählerinnen und Wähler nicht den Präsident, sondern Wahlmänner und -frauen wählen. Die wiederum wählen den Präsidenten. Hier kann es theoretisch dann noch so sein, dass diese anders entschieden.

Zweitens ist zu befürchten, dass jetzt ein längerer Rechtsstreit und die Gültigkeit von Stimmen vom Zaun gebrochen wird. Trump hat seine Niederlage zur Stunde nicht eingestanden. Es gibt eine ungeschriebene Tradition nach den Präsidentschaftswahlen, nach der der Verlierer die Niederlage eingesteht, dem Sieger gratuliert und zur Einheit aufruft. Land und Verfassung stehen über Einzelinteresse, das Amt über der Person. Dinge, die Trump nie begriffen hat. Geistig befindet er sich mit seinem Verhalten auf dem Niveau eines Kleinkinds. Es wundert daher nicht, dass selbst viele Republikaner von ihm abrücken. Demokratie und Verfassung aus Eigeninteresse mit Füßen zu treten, ist einfach nur widerlich.

Heilung durch Joe Biden

Astrid Dörner fasste für das Handelsblatt drei Gründe zusammen, warum Biden die Wahl für sich entscheiden konnte. Interessant ist, wie stark sich Wirtschaft und Finanzwelt von Trump abwendete. Am Wochenende kritisiert selbst die Trump-freundliche Presse und Medienlandschaft diesen für sein Beharren auf einer gestohlenen Wahl.

Nach wie vor feuert das Team von Trump aus allen Rohren. So heisst es etwa „This Election is far from over.“ oder „The media does NOT decide who is President“. Wahre Anhänger werden aufgerufen, für die „Election Defense Task Force“ zu spenden.

Entweder sieht Trump noch seine Niederlage ein oder aber wird dazu gerichtlich gezwungen, wenn seine Klagen kein Erfolg haben. Biden als neuer Präsident wird auf jeden Fall ein tief verwundetes und gespaltenes Land übernehmen. Ein Land, welches dringend Heilung benötigt. Es muss sowohl die Pandemie überwunden als auch die Bevölkerung, soweit es geht, wieder vereint werden. Je länger es dauert, bis Biden als Präsident anerkannt wird, desto schwieriger wird der Heilungsprozess werden.

Ob er nur ein Präsident des Übergangs werden wird, bleibt abzuwarten. Mit 77 Jahren ist er schon recht alt. Allerdings war Konrad Adenauer, als er Bundeskanzler wurde, 73 Jahre alt und blieb 14 Jahre im Amt. Da wäre zwei Amtszeiten mit zusammen acht Jahren locker drin für den neuen US-Präsidenten.

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