Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Donald Trump scheint endlich in der Liga von Autokraten angekommen zu sein. Lebenslänglich an der Macht klingt wie ein feuchter Traum.

Nacht der Entscheidungen

Momentan fällt es mir verdammt schwer, über die US-Wahl zu schreiben. Mir ist einfach nur nach heulen zumute. Eine der größten Demokratie der Welt versagt. Lebenslänglich Trump scheint bei seinem skandalösen Verhalten eine düstere Vision mit Tendenz zur Umsetzung zu werden.

Gestern Abend bin ich mit einem unguten Gefühl ins Bett gegangen. Ehrlich, als Brettspieler kann ich schlechte Verlierer einfach nicht leiden. Als solcher hat sich Trump schon im Vorfeld positioniert mit seinen Anspielungen und der Aussicht, das Wahlergebnis möglicherweise nicht anzuerkennen. Unter Einhaltung der normalen demokratischen Spielregeln gibt es natürlich Donald Trump nicht lebenslänglich als US-Präsident. Spätestens in vier Jahren ist der Spuk endgültig vorbei, denn die Präsidentschaft ist auf zwei Amtszeiten begrenzt. Aber was heißt das schon bei so jemanden wie Trump.

Normalerweise steht der Sieger einer Wahl nämlich erst dann fest, wenn alle Stimmen ausgezählt sind. Klar kann man sich vorab schon mal zum Sieger ausrufen. Passiert auch in anderen Ländern. Aber selbst in den Weißrussland ist der Diktator nicht auf die Idee gekommen, die Auszählungen der Stimmen abzubrechen, weil das für ihn passende Ergebnis erreicht wurde.

Einsperren, aber lebenslänglich

„Lock her up!“ — ein Motto aus dem letzten Wahlkampf von Trump mit einer Forderung, was man mit seiner Gegnerin Hillary Clinton machen sollte. Politische Gegner ins Gefängnis werfen, so was kennt man eigentlich vor allem aus Diktaturen.

Wenn tatsächlich ein Politiker in den USA aktuell eingesperrt werden sollte, dann ist es jedoch der noch amtierende Präsident Donald Trump. Einsperren, und zwar lebenslänglich. Jemand, der die Auszählung Vorzeit für beendet erklärt, handelt kriminell. Es ist, wie Eckart Aretz für tagesschau.de schreibt, ein Angriff auf das Innerste der Demokratie.

Hinzu kommen aufrufe an radikale Milizen für den Fall eine Niederlage. Anstiftung zum Bürgerkrieg ist das Mindeste, was man Trump diesbezüglich vorwerfen kann. Auf Grund meines Namens und dem Umstand, dass in den USA einige Boleys auch mit gleichem Vornamen leben, bekomme ich seit Monaten den ganzen Mist aus der Wahlkampagne von Trump. Der Inhalt ist unterste Schublade. So heißt es in einer der zahlreichen E-Mails von heute „The Election will be under attack“. Antworten soll man an „Defend President Trump“. Es heisst dann „The Democrats will try to STEAL the Election! President Trump needs YOU to step up and DEFEND the results.“

Man kann es einfach nicht glauben, will es nicht glauben.

Von deutschen Politikern quer durch die meisten Parteien gibt es im Übrigen scharfe Kritik. Sogar die AfD ist irritiert — wohl vermutlich über den Umstand, dass man mit so was ernsthaft durch kommt.

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