Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die Strömung und Gezeiten in der Nordsee sind tückisch. Manchmal gibt das Meer erst Jahre später Dinge wieder frei. Vor der Küste von Norderney trieb ein lebloser Mann im Wasser.

Zunächst schwieg sich die Polizei zur genauen Todesursache des Urlaubers aus. Ein Fremdverschulden wurde nicht ausgeschlossen. In Emden packte jemand seine Sachen zusammen. Die Redewendung „kalte Füße bekommen“ ergab einen ganz neuen Sinn für ihn. Durch das Fenster des Zimmers im Boardinghaus fiel das Licht der Morgensonne auf den Couchtisch. Gänsen zeigte er seine Leere. Kein Umschlag, keine Aufforderung.

Am Ende reden sie doch alle. Selbst die, welche sich für besonders schlau halten. Ein genialer Plan ist reizlos, wenn niemand je davon erfährt. Auch Busch konnte im Lauf der ungewöhnlichen Schachpartie doch nicht seinen Mund halten. Für das Millionengrab Kalkberg füllte ein sattes Sümmchen Schweigegeld sein Konto. Ihm fehlte allerdings noch ein Sündenbock, dem er die Bestechung in die Schuhe schieben konnte. Ein angeblich tadelloser Kollege im Dezernat schien ihm da gerade recht gewesen zu sein. Das Double für seinen angeblichen Tod fand er in der Kölner Obdachlosenszene schnell.

Schon bei den Pfadfindern hatte Breuer den Unterschied zwischen festen Knoten und schlappen Schleichen gelernt. Beim Verlassen des Zimmers dachte er noch mal an den überraschten Gesichtsausdruck von Busch. Schachmatt mit dem Spielbrett. Ein schneller, tödlicher Schlag.

In den folgenden Monaten fanden spielende Kinder immer wieder Schachfiguren am Strand auf Baltrum. Der Stuhl wurde nie gefunden.

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