Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Auf dem virtuellen Nominierungsparteitag der Demokraten läuft Joe Biden zur Bestform auf. Unterdessen wir anderorts vom Hausrecht Gebrauch gemacht.

Balkon ohne Garten

In einer Woche werde ich Köln verlassen. Eine Rückkehr ist, wenn überhaupt nur als Besucher / Tourist vorstellbar. Mittlerweile stapeln sich auch hinter meinem Rücken die Kartons. Das Wohnzimmer ist seit einigen Tagen meinen provisorischen Arbeitsplatz. Zwar der größte, aber auch im Sommer der wärmste Raum der Wohnung.

Da meine Frau schon etwas früher als ich Richtung Emden aufbrechen wird, bestand einer ihrer letzten „Amtshandlungen“ darin, mit mir zusammen den Balkon von unserem Grünzeug zu befreien. Ursprünglich wollten wir alle mit nach Emden nehmen. Allerdings wird im Garten und der Terrasse eher weniger Platz für sie sein. Insbesondere Balkonkästen lassen sich nirgends aufhängen.

Das am Ende radikal alles entsorgt wurde, liegt an der Biolehrerin an meiner Seite. Natürlich stecken die Töpfe und Kästen voller Viecher, die wir ungern in andere Kartons emigrieren lassen wollen. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, da der Umzugswagen über zwei Tagen Standzeit hat, bis wir am 31. August einziehen.

Wie dem auch sei, der Balkon sieht jetzt traurig kahl aus. Während sich mein Rücken erholt und ich kurz davor bin, mein Homeoffice für zwei Wochen Urlaub zu schließen — eigentlich habe ich schon Feierabend, warte aber noch auf eine wichtige Mail — gehe ich die Schlagzeilen der vergangenen Tage durch.

Campingplatz mit Hausrecht

Sicherlich überraschend für viele von uns war der Nominierungsparteitag der Demokraten in den USA. Joe Biden lieferte eine für seine Verhältnisse exzellente Rede ab, selbst Barack Obama machte klar, worum es bei der nächsten Wahl geht. Wer Trump wählt, hat sich für die dunkle Seite entschieden.

Diese zu vertreten wir auch dem Betreiber-Ehepaar eines Campingplatzes in Hinte (Ostfriesland) unterstellt. Ein regelrechter Shitstorm brach über sie herein, weil sie lediglich das machten, was Unternehmen wie die Deutsche Bahn offensichtlich nicht können oder wollen. Von ihrem Hausrecht Gebrauch machen.

Wer auf den Campingplatz will, muss auf seinem Smartphone die Corona-Warn-App installiert haben. Meiner Meinung nach eine gute Idee. Darauf mit Unterstellung und Beschimpfung (Nazis, Denunzianten etc.) zur reagieren, ist mehr als nur unangebracht. Gezielte Verleugnung und negative Bewertungen des Campingplatzes erfüllen schon den Tatbestand der Rufschädigung.

Eine Zugangsvoraussetzung für ein Geschäft, Museum oder eben einen Campingplatz zu schaffen, steht jedem frei. Es nennt sich Hausrecht — hat im Übrigen auch der Mieter einer Wohnung während der Mietdauer. Mit der Installation der App wird niemand aufgrund seiner Hautfarbe, Religion oder seines Geschlechts diskriminiert. Wohl aber disqualifiziert man sich durch dumme Kommentar und eine asoziale Haltung, die eigene Bedürfnisse über die Gesundheit anderer stellt.

Liebe Frau Saathoff, lieber Herr Saathoff, ich finde ihre Entscheidung richtig und mutig. Für mich stehen sie auf der richtigen Seite. Lassen sie sich von all den wüsten Beschimpfungen nicht unterkriegen!

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