Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Das Berufsbild Kritiker steht mal wieder unter besonderer Beobachtung. Nicht jeder erreicht das hohe Alter von einem Marcel Reich-Ranicki.

Satirisch wird’s erträglich

Die neuste Selbstmordvariante aus Russland nennt sich „Kritik an Putin“. Meist dauert es nicht lange, bis man fachgerecht vom Kreml entsorgt wird. Mit etwas Glück darf man vorher nach Deutschland ausfliegen, andere werden schon mal in einem schmuddligen Hinterhof entstellt aufgefunden. Autokraten und Diktatoren gehören selten zu Sorte Mensch, mit der man sich unbedarft anlegen sollte.

Was soll man sagen, der Vorfall um den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny sind befremdlich. Noch ist nicht klar, ob er möglicherweise vergiftet wurde. Von wem, ist allerdings eher weniger rätselhaft. Beruhigend ist jedoch, das sich der US-amerikanischen Präsidentendarsteller Donald Trump bisher noch nicht von Putin hat inspirieren lassen. Seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden geht es zur Stunde noch gut.

Mich beunruhigt die großpolitische Wetterlage. Auch wenn Corona mit enormen Neuinfektionen erneut in den Vordergrund der Berichterstattung rückt, passiert derzeit eine Menge. Sehr viel davon wird sich auf die nächsten Monate und Jahre auswirken. Die Situation in Belarus ist längst nicht entschärft, Nordkorea unverändert gefährlich und China bleibt der große Spieler im Hintergrund.

Immerhin, es gibt auch gute Nachrichten. In den ersten Geschäften sind Lebkuchen und andere Weihnachtssüßigkeiten verfügbar.

Dauerermüdende Kritiker

Was mich abseits von Weltpolitik und Umzug beschäftigt, ist die Entwicklung der Brettspielszene. Dort tummeln sich immer mehr selbst ernannte Kritiker. Wobei sorry, sie nenne sich selber Rezensenten. Korrekterweise müsste es eigentlich „Produzenten von Dauerwerbesendungen“ heißen — zumindest in einige Fällen.

Kritiker im eigentlichen Sinne sind diese ganzen Youtuber jedenfalls nicht. Stärker denn je ärgert es mich, dass diese Kanäle wie Durchlauferhitzer funktionieren. Es geht vornehmlich darum, die neusten Scheiß in irgendeiner Form zu besprechen, bevor man sich dann wieder noch neueren Brettspielen zuwendet.

Ehrlich, man kann über alles diskutieren. An dieser Stelle möchte ich mich auch nicht als Qualitätsapostel aufspielen. Was meiner Meinung nach definitiv einer Diskussion bedarf, ist die Länge der Besprechungen. Die Grenze ist für mich persönlich längst überschritten, wenn man Spiele wie etwa Tainted Grail in einer Länge von 90 Minuten bespricht. Mir so etwas anzusehen, kommt einer Verschwendung von Lebenszeit gleich. Abgesehen davon könnte man locker in der Zeit das Spiel anspielen, um sich selber einen Eindruck zu verschaffen.

Klar ist Tainted Grail umfangreich. Wenn ich es aber nicht schaffe, so was in sagen wir mal 15 Minuten auf den Punkt zu besprechen, dann fehlt es mir entweder an Willen oder an Talent. Ich für meinen Teil konsumiere mittlerweile vornehmlich angloamerikanische Besprechungen zu Brettspielen. Aber das schrieb ich bereits schon mal. Lassen wir daher den Kritiker in mir erst mal ein paar Tagen ruhen. In den nächsten Tagen folgt dann an dieser Stelle das übliche Urlaubsprogramm in Form eines Kurzkrimis.

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