Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Früher gab es einen Unterschied zwischen das Gleiche und das Selbe. Man hatte einfach ein besseres Gespür für Vergleiche.

Meinungen am Spielfeldrand

Die Welt dreht sich Tag für Tag, immer neue Ereignisse tauchen auf. Manche davon vergessen wir schnell wieder, andere wie die Corona-Krise führen zu einem dauerhaften Umbruch in der Gesellschaft. Man kann lange darüber diskutieren, welche Ereignisse zufällig sind und welche von Menschen gemacht oder zumindest wesentlich beeinflusst. Spannend währe in diesem Zusammenhang auch, wie die prozentuale Verteilung aussieht. Aus dem Bauch heraus würde ich behaupten, vieles ist auf unserem Mist gewachsen. Den Klimawandel gäbe es in der Form wohl nicht.

Natürlich gibt es sowohl negative als auch positive Ereignisse. Was man wie einsortiert, hängt vom eigenen Standpunkt ab. Für die einen ist etwa Donald Trump der beste US-Präsident seit Abraham Lincoln (sagt Donald Trump). Für die andere der Untergang der USA.

In Deutschland halten viele Sozialdemokraten Olaf Scholz für den Garanten einer weiteren Wahlniederlage. Andere wie der Journalist Heribert Prantl (SZ) sehen in ihm die Chance, aus dem jahrelangen Tief herauskommen.

Belieben wir bei der Süddeutschen Zeitung. Auch wenn es nur eine Meinung vom Spielfeldrand ist: Bei ihr werde ich aktuell nicht den Eindruck los, sie würde gerne die SPD große schreiben. Zumindest journalistisch so flankieren, dass sie es über 20 Prozent bei der nächsten Bundestagswahl kommt. Nicht nur Prantl leistet hier seinen Beitrag, auch ein Kommentar von Stefan Kornelius. Die Vergleiche von ihm machen einen fast schwindelig.

Äpfel und Birnen Vergleiche

Der Volksmund kennt Vergleiche, die sinnfrei sind. „Das ist, als vergleiche man Äpfel mit Birnen.“ Beides ist Obst, aber darüber hinaus werden die Vergleiche zunehmen irrsinnig. „Wer die Wahl hat, der hat Hoffnung“, schreibt Stefan Kornelius und wirft dabei drei Personen in einen Topf. Zwei Frauen und einen Mann in der Mitte zeigt das Foto zu seinem Kommentar. Kamala Harris, die von den Demokraten in den USA nominierte Vize im Kampf gegen Donald Trump, Olaf Scholz, der Kanzlerkandidat der SPD und Swetlana Tichanowskaja aus Belarus. Dazu heißt es dann:

Die Proteste in Belarus, die Nominierung von Kamala Harris und die Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz – drei Ereignisse, die in dieser Woche für die positive Kraft von Wahlen stehen.

Bitte was? Gäbe es eine Skala für Vergleiche, mit der man Vergleiche vergleichen könnte, dann würde dieser die Skala sprengen. Was zum Henker sucht Olaf Scholz in der Reihe? Mir drängt sich hier der Eindruck auf, es gehe einzig und allein darum, Scholz in ein extrem positives Licht zu rücken. Quasi in einer Ahnengalerie großartiger demokratischer Vordenker.

Nüchtern betrachtet sind es nämlich redlich drei Ereignisse, die zufällig in den letzten sieben Tagen durch die Presse gingen. Mehr haben die drei nicht gemeinsam. Ob Kamala Harris tatsächlich die erste weibliche und Farbe Vizepräsidentin der USA werden wird, muss sich noch zeigen.

Ohne westlich-europäische Unterstützung für Lukaschenkos Gegner und echte Sanktion gegen Belarus verpufft alles, wofür Swetlana Tichanowskaja bisher gekämpft hat.

Was Olaf Scholz angeht, nun, der steht für vieles. Aber definitiv nicht für Aufbruch und Neuanfang. Im Übrigen finde ich es unsäglich, die Zustände in den USA und Belarus gedanklich mit der politischen Großwetterlage in Deutschland in den selben Topf zu werfen.

2 Kommentare

  1. Nicht, dass ich Olaf Scholz besonders viel zutrauen würde. Die Bedeutung, die manche seiner „Kanzlerkandidatur“ zuweisen, besteht vermutlich darin, dass der Vorgang an sich einem Linksbündnis eine Chance einräumt. Endlich keine GroKo und auch keine langweilige Koalitionen zwischen Union und FDP oder Union und Grünen. Ein Linksbündnis, das bisher einigermaßen krass beurteilt wurde, könnte vielleicht angesichts einer Krise, die bis zu den Wahlen nicht vorüber ist, neue Möglichkeiten bringen. Insofern wäre die Person Scholz doch mit einem Neuanfang verknüpft. Ob er für eine solche Koalition das entsprechende Führungspotential hat? Nun daran zweifle ich allerdings auch.

    1. Moin! Nun, Olaf Scholz halte ich für nicht kompatibel hinsichtlich eines Linksbündnis. Weiter GroKo ist alles andere als meine Wunschoption. Eine Regierung aus CDU / CSU und lediglich den Grünen könnte spannend werden mit einem Kanzler Söder und keiner Lusche, äh Laschet. Was weiter Szenarien angeht: Dafür fehlt das Personal oder mir die Fantasie.

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