Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Schröder konnte Kanzler

Nach der Ära Schröder wurde aus Volks-Partei SPD eine "was folgt?"-Partei. Die Sozialdemokraten haben nicht nur eine emotionale Bindung an die Kohle, sondern verheizen auch ihr Personal.

Ein Satz bringt es auf den für die SPD tragischen Punkt in der arte-Dokumentation. Gerhard Schröder war der letzte sozialdemokratische Bundeskanzler.

Schlage die Trommel

Gestern gab es bei arte die Dokumentation „Gerhard Schröder – Schlage die Trommel“ über den ehemaligen und auch wohl vorerst letzten sozialdemokratischen Bundeskanzler Gerhard Schröder zu sehen. Die Süddeutsche Zeitung schrieb darüber am Montag, es sei ein Film mit „kritischer Sympathie“ für den Agenda-Kanzler. Nun ja, als ich mir das gestern auf arte ansah, entdeckte ich viel Sympathie aber wenig Kritik.

Ja, es gab da einen verbitterten Oskar Lafontaine so wie einen miesepetrigen Martin Schulz. Vom Rest gab es überwiegend Anerkennung. Franz Müntefering wirkte immer noch verschmitzt. Und Sigmar Gabriel schien über allen Dingen zu schweben. Wobei das möglicherweise daran lag, dass die Dokumentation vor dem Hochkochen seiner Beratertätigkeit bei Tönnies entstanden ist.

Wie dem sei, zurück zu Schröder und noch weiter zurück zu seiner Kandidatur. An seinen gemeinsamen Wahlkampfauftritt mit Joschka Fischer von den Grünen in Bielefeld kann ich mich noch gut erinnern — auch wenn das vor meiner Zeit als Blogger war. Nach 16 Jahren Kohl lag ein Wind in der Luft, der Veränderung versprach. Alles andere interessiert mich nicht so genau, Hauptsache weg mit Kohl und keine CDU mehr. Endlich die bleierne Zeit abschütteln. Jubel auf dem Alten Markt in Bielefeld.

Der SPD laufen die Wählerinnen und Wähler davon

Der SPD laufen die Wählerinnen und Wähler davon

Ambivalenz von Gerhard Schröder

Die Regierungszeit von Bundeskanzler Schröder fand hier im Blog weitestgehend keine Resonanz. Es gibt nur Spuren von ihrem Ende. Wie sozialdemokratisch denkenden Menschen damals sorgte Hartz IV bei mir für Bauchschmerzen. Aber eine Merkel von der CDU als Kanzlerin konnte ich mir nicht vorstellen. Den Schritt der vorgezogenen Neuwahlen von Schröder fand ich mutig, er endete aber in einem Fiasko für ihn und seine Partei. Mehr oder weniger live schrieb ich hier im Blog am 18. September 2005 zur Wahl.

Sprachlos machte mich im Fernsehen das Verhalten von Schröder gegenüber Merkel. Ein extrem machohaftes Verhalten. Für mich stellte dieses Erlebnis endgültig den Wendepunkt dar. Der Stern des nun ehemaligen Bundeskanzlers sank. Immer tiefer den auch durch seine Beziehungen zu Vladimir Putin. So was sorgt für mehr als einen Beigeschmack. Die Arte-Dokumentation thematisiert das zwar auch, aber es ist eher ein Streifen.

Gerhard Schröder kommt eigentlich verdammt gut weg, „Schlage die Trommel“ lässt sich daher fast schon als Hommage bezeichnen.

Extrem schlecht wegkommen dagegen diejenigen, welche versuchen und versuchten, in seine Fußstapfen zu treten. Wenn man vor und im Abstand das neue Führungsduo Saskia Esken und Norbert-Walter-Borjans sieht, weiß man, welche Lücken „Der Junge aus dem Unterdorf“ (SZ-Titel) hinterlassen hat.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.